Agentur für User-Centered Design
Die Website der Schweizer Schlüssel- und Sicherheitsfirma Kaba hat ein lustiges Java-Applet als Menü, bei dem man spontan denkt, man hätte auf die rechts Maustaste statt auf die linke gedrückt. [Ausprobieren - Screenshot]
????Warum nur haben so viele Anbieter solche Probleme mit der Funktion “Seite verschicken”? bild.de kann’s auch nicht wirklich. Erst machen sie eine Maske mit deutlich zuviel Feldern, nämlich neun – Absender: Anrede, Vorname, Nachname, E-Mail-Adresse; Empfänger: Anrede, Vorname, Nachname, E-Mail-Adresse; persönliche Nachricht [Screenshot] (reichen würden auch drei: E-Mail Absender, E-Mail Empfänger, Kommentar) – und dann machen sie auch die Bestätigungsseite so, dass man die Bestätigung am unseren Rand suchen muss [Screenshot]. Ziel scheint zu sein, dass der User gleich hinterher die Seite noch an weitere diverse Freunde schickt. Scheint mir ein völlig fehlgeleiteter Ansatz zu sein: Wer wird eine weitere Mail versenden, nur weil das Fenster noch offen ist? Hier wird der Erfolg einer eigentlich simplen Funktion kompromittiert durch die Gier nach mehr Nutzung der Funktion.
Senioren stimmen ab, wie sie heissen wollen (siehe zweiter Absatz). “Best Ager”, was für ein politisch korrekter Schwachsinn, und was für eine schlechte Text-Usability. Ein Wort, das jeder versteht (Senioren) durch eines erklären, über das man erst abstimmen muss.
Schön finde ich natürlich auch den Handy-Kurs (erster Absatz). Würde gern mal einen Usability-Test mit diesem Text machen. “SuperPIN” ist, vermute ich, eine proprietäre Vodafone-Bezeichnung für den “PUK” (Personal Unblocking Key). Aber solche Sachen sollen die Best Ager, die anderswo Kunden sind, dann halt doch lieber selbst rausfinden.
—– Ursprüngliche Nachricht —–
Von: k.rose-schaper@atlantis-city.de
Ges.: 14.05.03 11:26:00
An: peter.hogenkamp@zeix.net
Betreff: Telefonieren leicht gemacht: Besuchen Sie unseren neuen Handy-Online-Kurs!
Lieber Herr Hogenkamp,
heute startet unser angekündigter Online-Handy-Kurs mit dem ersten Teil. Schritt für Schritt werden Sie durch die Bedienung Ihres Handys geführt. Es wird erläutert, wie man nach dem Anstellen weiter vorgeht, wo man den abgefragten PIN-Code findet und eingibt, wie man ihn ändert etc.. Lernen Sie Ihr Handy besser kennen unter
http://www.atl-c.de/ac/fg.php?nid=144&id=4975&b=i&r=20kw_Handy .
Lieber
Herr Hogenkamp, wir benötigen Ihre Hilfe. Wir sind auf der Suche nach einem passenden Zielgruppen-Namen für Menschen über 50 Jahre. In Amerika nennt man diese Zielgruppe „Best Ager“, womit sich die über 50 Jährigen auch sehr gut identifizieren können. Da die Bezeichnung nicht ins Deutsche übertragbar ist und das Wort „Senioren“ bei vielen so negativ belegt ist, möchten wir gerne eine neue und bessere Bezeichnung finden.
Unterhttp://www.atl-c.de/ac/fg.php?nid=107&id=4973&b=i&r=20kw_Umfrage haben wir ein kleines Umfrage-Formular hinterlegt, in dem Sie einen unserer Vorschläge oder Ihren eigenen auswählen können. Bitte machen Sie mit!
Mit freundlichen Grüßen bin ich
Ihre
Katrin Rose-Schaper
Einwohner-Betreuung
atlantis-city AG
www.atlantis-city.de
Früher hätte man sich über eine nur aus einer Seite bestehende Website lustig gemacht, heute sehe ich immer mehr davon: www.jann.ch [Screenshot], www.spikemedia.ch [Screenshot - bis vor kurzem war es sogar noch deutlich schlichter], und ich denke: Wieso eigentlich nicht? Wenn man die Domain sowieso für die Mailadresse reserviert hat, wieso nicht eine Visitenkarte schalten. Besser als Seiten mit dummen Inhalten zu füllen, die niemanden interessieren.
Faszinierend, wenn auch vermutlich völlig nutzlos: Die Kaffeemaschine mit Internet-Anschluss, gerade im “Newsfeed”-Weblog von Martin Röll entdeckt. Noch viel faszinierender: Während auf der Produkt-Hauptseite der Title-Tag auch schon recht kryptisch “F9 – F-SERIE – HOME – PRODUKTE – JURAWORLD” lautet, wird er auf der Unterseite “Vorzüge” – kyrillisch! [Link | Screenshot] Hut ab vor dieser kreativen Variante.
Nein, auch wenn ich Eure Falk-Pläne mag (solange ich sie wieder gefaltet kriege), so geht’s nicht, liebe Firma Falk. Euer Anmeldeformular hat einfach auf kleinstem Raum zu viele Fehler [Link | Screenshot]: 1. Überschrift falsch: Das ist nicht mein erstes “log in”, auch nicht mein erstes “Login”, sondern die Registration (die URL sagt es auch richtig). 2. Die Felder sind ohne Not zu kurz. 3. Was bedeutet “Infopost” anklicken? Ich will? Ich will nicht? 4. Passworteingabe zweimal nebeneinander statt zwei Zeilen mit “Passwort” und “Passwort (wiederholen)” mag enorm platzsparend sein, aber woher soll der unbedarfte User wissen, wofür das zweite Feld ist. 5. Button “log in” – siehe 1. Plus der Kardinalfehler, dass man sich registrieren muss, bevor man irgendwas vom Produkt zu sehen bekommt. Keine gute Kombination. Nach dieser Seite geht es munter weiter mit den Ungereimtheiten, doch davon ein anderes Mal.
Wenn man bei der Flugbuchungsmaske auf der Homepage von ebookers vergisst, den Zielort einzugeben, kommt die Fehlermeldung “Es muss mindestens ein Erwachsener mitfliegen”. Mir ehrlich gesagt ein Rätsel, wie das in der zentralen Abfrage passieren kann. Wenn es schon der Designer schlampigerweise nicht selbst testet – in jedem seriösen Usability-Test hätte jemand diesen Eingabefehler gemacht, und man hätte den Designfehler bemerkt.
Im Selbstexperiment habe ich gerade mal wieder gesehen, wie schlimm eine falsche Indexierung bei Suchmaschinen sein kann. Ich suchte nach der Firma “Polygon Impex AG” mit der entsprechenden Suche bei Google-Schweiz [Link | Screenshot]. In den Treffern 2 bis 7 taucht jeweils irgendwo der Firmenname auf, es handelt sich jedoch nur um irrelevante Websites. Der eigentlich richtige Treffer steht ganz oben, geht jedoch trotzdem unter, wegen der sensationell schlechten Kombination von Titel (“default”) und Inhaltsangabe (“Verwenden Sie die Tags OBJECT und EMBED zum Anzeigen von Flash.”).
Gestern hielt ich bei der Post ein Seminar zum Thema “Online-Promotion”. Warum klicken Surfer auf ein Banner, und was passiert nach dem Klick auf der Zielsite? Für das zweite betrachte ich mich als Experte, beim ersten verwende ich die Erkenntnisse der befreundeten Experten von search.ch. Die lauten zum Beispiel: Nicht das ganze Banner animieren, sondern nur Teile, so dass die Aussage wie auch der Name des Anbieters durchgängig erhalten bleibt, ein professionelles Layout und gute, einfache Bilder verwenden etc. Alles sehr plausibel, und die Gruppe nahm die Regeln dankbar an. Am Ende fragte ich, ob jemand gerade ein Banner laufen habe, und es meldete sich ein Herr von der KTR Office AG, die gerade dieses Banner für die search-Suche nach “Toner” laufen hat. Das Banner verstösst gegen diverse der vorher im Seminar genannten Regeln, und besonders hübsch ist es auch nicht wirklich. Und doch ist es das Ergebnis einer Optimierung mit mehreren Interationsstufen und erzielt von allen Versuchen die beste Clickthrough-Rate von (sehr beachtlichen) 2.6%. Tja. Nach den Regeln 1 bis 10 ist also die elfte die wichtigste: Probieren geht über Studieren.