Agentur für Usability und User Education
Konsequenter kann die Regionsauswahl-Splash-Page einer globalen Produktsite nicht sein als die vom SonyEricsson P910:

Nach Auswahl von 1. Region: “Europe” und 2. Country: “Switzerland : DE” kommt die lakonische - notabene englische, woher soll auch jetzt schon, so kurz nach der Auswahl, jemand wissen, dass wir hier DE reden? - Frage, was man will:
- Launch Campaign site
- Product homepage
Ist das nicht toll? Wer wollte nicht immer schon mal, wenn er die Wahl hatte, alternativ schnell zu übersichtlich präsentierten Informationen wie Featurelisten, Bedienungsanleitungen, Zubehör o.ä. zu kommen, stattdessen lieber erstmal minutenlang Flash gucken, auf dem sich Phrasen wie “Set up your day with ease”, “Can do, will do, done”, “Life’s a breeze” und - jetzt kommt’s - “Finger on the trigger” umeinander drehen, angucken? Oder etwas anders gefragt: Hätte schon jemals jemand eine “Campaign site” freiwillig angeklickt?
Amerika, Du hast es besser. Bei Dir existieren die beiden Begriffe “register” und “login”, und jeder, so hoffe ich, versteht den Unterschied.
Bei uns dagegen werden beide gern mit “anmelden” übersetzt - dabei ist mal das eine gemeint, mal das andere, ja, manche Websites nennen sogar direkt nebeneinander beides “Anmeldung”. Schlimm. Prominentes Beispiel ist diese Login-Maske von Yahoo: Rechts “Anmelden”, links “Jetzt anmelden”. Welcher Anfänger soll bitte diesen Unterschied verstehen??

Gedacht hab ich’s heute wieder, als ich diese Suchmaske gesehen habe:
“Mail Status: Anmelden - Neue Nutzer: Anmelden” Was soll das? (Kann sein, dass heute der letzte Tag dieser Maske ist, denn: Yahoo! startet mit Mein Web 1.0 die personalisierte Internetsuche in Deutschland, das ist aber keine Entschuldigung für die allgemeine Verwirrtheit.)
Wie lautet aber nun die Lösung für die richtige Übersetzung? Man könnte wie folgt übersetzen: engl. register wird zu dt. “registrieren” und engl. login wird zu dt. “anmelden”. Das würde gehen, hätten nicht schon Tausende von Sites das arme Wort “anmelden” missbraucht und damit Verwirrung gestiftet, was es eigentlich heisst. Ich plädiere daher für:
Natürlich, jemand der partout alles übersetzen will, könnte not amused sein und “Denglisch” beklagen. Aber lieber ein präziser englischer Begriff als ein schwammiger deutscher. Manche Sachen muss man eben auch lernen, und ich, als Advokat des Ansatzes, dass der User so gut wie nichts jemals lernt, würde hier argumentieren: Das schon.
Hach, ist das schön. Manchmal denkt man jahrelang, man wüsste, wie etwas gehen muss, und dann sieht man eine neue Umsetzung und will sich an die Stirn schlagen: “Natürlich, so ist es ja noch besser.” Und diese ehrliche Freude überwiegt bei mir auch über den Gedanken: “Wieso bin ich nicht darauf gekommen?”
Ich muss kurz etwas ausholen:
Jahrelang, wie gesagt, habe ich gefunden - und Kunden so beraten -, Datumsauswahl, vor allem relevant bei allen Reisebuchungs-Masken, geht so:
1. Man macht eine möglichst simple Maske, am besten mit Eingabefeldern, wie Lufthansa (und nicht mit Dropdowns, wie Swiss). Use Case dafür: Ich weiss schon, wann ich reisen will, habe sowieso meinen Kalender offen oder einen grossen Wand-, Tisch-, etc. -kalender vor mir, und das Datum tippe ich direkt ein.
2. Man macht zusätzlich daneben das standardmässige kleine Popup mit dem Kalender, und zwar möglichst schlank, also am besten in html, und fertig. Use Case dafür: Ich habe gerade keinen Kalender und muss schnell nachschauen. Lufthansa und Swiss sind mit diesem Popup etwa gleich schnell, also langsam, nämlich zwischen 2 und 3 Sekunden, bis es offen ist. Ich wollte Sixt als Worst Practice nehmen, weil sie bis vor kurzem etwas Fürchterliches hatten, bei dem ich mich immer vertan habe, weil man es von Hand wieder schliessen musste, aber die haben was gemerkt und ein schnelleres gemacht (unter 1 Sekunde). Das allerschnellste heute von mir getestetet hat ebookers.com - es erscheint praktisch sofort (lustigerweise sieht das Windows-artige GIF dazu irgendwie danach aus, als würde es mega lange dauern, oder bilde ich mir das ein?). Daneben gibt es sicher noch viele andere gute Umsetzungen, noch mehr mittelmässige und unzählige schlechte.
Wenn jemand das Popup weggelassen hat, fanden das Testpersonen sichtbar doof, also habe ich es auch moniert, z.B. im Netzwoche-Artikel “Die easyJets sind online noch nicht easy genug“.
Und nun kommt HRS, bis vor kurzem noch eine zwar seit Jahren erfolgreiche, aber trotzdem im Detail nicht sehr gute Website, und macht mit dem Redesign etwas Kleines, in das ich mich sofort verliebt habe: Zwar haben sie Dropdowns, aber sie zeigen den Wochentag unmittelbar neben dem Datum an, sobald man das Datum wechselt. Dabei ist mir aufgefallen, dass der dominanteste Use Case nicht unbedingt nur dieser ist: “Ich will am dritten Augustwochenende anreisen, dazu muss ich den Kalender sehen”, sondern “Ich will am kommenden Freitag anreisen, könnte auch überlegen, welches Datum das ist, hab aber gerade keine Lust dazu.” Bei HRS drückt man nun (am heutigen Montag) einfach dreimal nach unten, und schon ist man da.
Ich weiss, ein subtiler Unterschied, aber wer sich schon oft über solche Masken geärgert hat, wird ihn bemerken. Diverse Klicks und mehrere Sekunden gespart, die man für die Auswahl des Datums per Popup gebraucht hätte, wo gibt es das schon heute noch bei einem einzelnen Element? Überhaupt ist der ganze Buchungsprozess deutlich verbessert, dazu später einmal mehr.
PS. Nun muss nur noch jemand Lufthansa und HRS kombinieren: Eingabefeld und automatischer Wochentag daneben. Freue mich schon.


Einen kann man noch bringen von den Coop-Screenshots (natürlich würde man fast jeden gern kommentieren). Den hier:
«Sehr “benutzerfreundlich”» hatte ich auch schon in einem Zeitungsinserat gesehen und fand’s da schon prima. Hier quoten kann ich es aber erst, seit Bastian Sick mir die Angst erspart, jemand könnte womöglich den “Witz” nicht verstehen und erklärt haben wollen. So kann ich verlinken zum schönen Zwiebelfisch-Artikel: Krieg der Häkchen: Episode “2″ - die “Rückkehr”. An dieser Stelle: Ein aufrichtiges “Danke”, für den ganzen Zwiebelfisch.
Findet noch jemand, dass Tippfehler in Flash irgendwie viel dümmer aussehen als in html? Der Unterschied ist so wie der zwischen einem in Word getippten und selbst ausgedruckten Text und einem Hochglanzmagazin: Wenn ich in beiden einen Fehler sehe, denke ich beim einen: “Kann ja mal passieren” und beim anderen: “Wie konnte das passieren? Haben die keinen Korrektor??”
Und wenn also nun so ein grosses, hübsch animiertes Flashding daherkommt und einen aufmerksamkeitsheischend anflimmert, wie die allgegenwärtigen Testionials vom Coop Onlineshop (zuletzt tagelang auf der Startseite von blick.ch), dann sieht halt “logisitisch” irgendwie saudumm aus. So nach: Tja, Flasher, müsst halt einfachere Wörter benutzen, wenn Ihr die komplizierten nicht schreiben könnt.
PS. Bin jetzt schnell noch mal zu coop.ch gegangen, weil ich schauen wollte, ob der Onlineshop vielleicht einen tollen gebrandeten Namen hat, aber beim Klick auf “Online-Supermarkt” kam erstmal “HTTP 500 - Interner Serverfehler”.
Damit haben wir im Vergleich zu oben also gleich einen nicht so schlimmen, fast schon üblichen Fehler, den jeder im Handumdrehen selbst beheben kann: Man klickt einfach einmal auf “Aktualisieren”, und schon ist der Shop da. (Gut, beim erneuten Aufruf von shop.coop.ch kommt er wieder, aber genug jetzt davon…) (Doch nicht: Nochmal gecheckt ergibt: Am Laptop geht’s. Ist wohl ein Desktop-Problem, Cache voll oder so. Nun könnte man darüber diskutieren, ob das einen Shop aus der Bahn werfen sollte, aber das machen wir jetzt echt ein anderes Mal!)