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Orginal-Schreibfehler-Vererbung der FTD

Banner-Animateuren und Teaser-Photoshöplern traut man ja gemeinhin nicht viel Orthografie zu; Beispiele, bei denen in einem grafischen Element z.B. der Name des verlinkten Produkts falsch geschrieben ist, sieht man auf den grossen Portalen ungefähr wöchentlich. Früher habe ich die gesammelt und im Kapitel “Professioneller Anspruch?” in Seminare eingebaut, inzwischen denke ich aber meist: geschenkt.

Heute war ein renommierter Player dabei, dem man das eigentlich nicht zutrauen würde, und das macht es wieder spannend genug… Bei Spiegel online sah ich dieses animierte Banner:


“Agenda-2010-Originalmanuskript”, meinte er also, na ja, dass er nicht Bastian Sicks Zwiebelfisch über Durchkuppeln gelesen hat, muss man dem Animateur wohl nachsehen, dachte ich, aber “Orginal” ist schon irgendwie doof.

Die Überraschung kam nach dem Klick:

1. Dort steht es genauso, also hat es der Texter verbrochen.

2. Dieser Texter arbeitet vermutlich für die Financial Times Deutschland. Vermutlich war es der Praktikant, aber das ist mir egal, denn das ist immerhin die Zeitung, auf deren Wahlempfehlung ich mich gestern nach wochenlangem Grübeln vor dem Briefwahlzettel recht spontan verlassen habe, das Ding angekreuzt und weggeschickt.

So weit, dass eine Zeitung, selbst eine relativ neue, so dumm sein darf wie das Internet, sind wir eben noch nicht.


Fehlermeldung bei PLUS

Was für die von namics geklaute Kategorie “Fehlermeldungen”:

http://shop.plus.de/cmspublic/de_DE/misc/landingpage/handzettel/kw36/region_02.pdf

Bitte Animation abwarten. Vorher Lautsprecher schön weit aufdrehen.

Ich höre jetzt seit einer Viertelstunde zu, und ein Ende scheint nicht in Sicht…


M-Budget Mobile (I)

Die Migros lanciert M-Budget-Mobile. Heute ist Verkaufsstart.

Und natürlich macht man auch Bannerwerbung auf migros.ch. Der Bannertext läuft als Laufschrift durch — der Effekt soll sicher budgetmässig preiswert aussehen ;-) — “M-Budget Mobile gibt den Tarif durch: jetzt wechseln”.


Super. Nur wenn man dann tatsächlich auf das Banner klickt, ist leider jemand nicht ganz fertig geworden:

Gemerkt haben dürfte das wohl schon jemand, immerhin ist es schon 14 Uhr. Dass der aber mal Banner-Menschen von der Migros-Startseite anruft und sagt, er soll doch das Ding temporär wieder runternehmen, das passiert offenbar nicht.

Ich hab mir natürlich gleich die grüne MOBILE SIM-CARD für 19.80 gekauft, war der erste in der Migros St. Gallen-St. Fiden. Bericht folgt, wenn es etwas zu berichten gibt.


Google Talk als Anwesenheitsliste

PS. Falls sich jemand wundert, warum Ina “82-Ina” heisst: Seit wir mit Zeix in unserem neuen Haus sind, wo man nicht mehr einfach rufen kann, um herauszufinden, ob jemand in seinem Büro ist, haben wir alle Google Talk installiert. Und weil man ja weiss, dass es für das Auge einfacher ist, ein Element in einer Liste zu lokalisieren, wenn diese jedes Mal gleich sortiert ist, haben wir den Namen jeweils die interne Telefonnummer vorgestellt:

Dann muss man nur noch “Sort friends by name” aktivieren — per Default nach Loginzeit, glaub ich — und schon hat man diese praktische Liste. (Muss dann den Screenshot noch mal gegen einen austauschen, wo alle am PC sitzen… :-)

Natürlich, wenn jemand telefoniert oder im Gespräch ist, sieht man das nicht, aber wer in unserer Branche schafft es es schon, den PC fünf Minuten nicht anzurühren?


Endlich wieder positive Beispiele für Usability: Google Talk

Nach einem Usability-Referat neulich bei den Freunden von namics bin ich gefragt worden, ob denn in meinem Blog auch ein paar positive Usability-Beispiele vorkommen. Will heissen: Ich hatte wohl im Vortrag nur negative gezeigt.

Wie kommt das? Einerseits ist bei schlechten Beispielen natürlich jeweils die Schadenfreude ein schöner Aspekt, nach dem Motto: “O nein, so eine grosse Firma (d.h. so ein grosses Online-Budget), und dann so doof!” Aber das ist es nicht allein. Es ist auch so, dass gute Beispiele in aller Regel einfach unspektakulär sind. Man zeigt sie, und jeder denkt: “Ja, ist doch logisch, dass man das so macht, wie denn sonst?” Wenn überhaupt beziehen sie ihre Daseinsberechtigung nur aus dem Gegensatz, dass man gleich danach sagt: “Sie haben gesehen, so einfach geht das bei A, und jetzt zeige ich Ihnen mal zum Vergleich die Website B” — und dann kommt wieder etwas Schlechtes, und wir sind so weit wie vorher.

Ich mache seit vier Jahren an der iEX, jetzt Orbit-iEX, das Seminar “Was User lieben, was sie hassen”, und mit der Hälfte “Was User lieben” reisst man selten jemand von den Stühlen. Was sollte auch aufregend daran sein, wie ein User einfach so etwas bestellt oder eine Überweisung macht? Das Spektakel ist, wie er zehnmal versucht, den Bankclearing-Code der UBS in St. Gallen zu finden, und jedes Mal klappt es nicht.

Trotzdem will und muss man natürlich auch Positives zeigen. Als “Experte” kann man sich dabei immerhin auch über kleine Innovationen freuen, aber ich frage mich, ob Leute, die sich nicht jeden Tag so im Detail mit Web-Interfaces beschäftigten, das nachvollziehen können. Vor einigen Wochen habe ich mich zum Beispiel unter dem Titel Klein, aber einfach nur schön: Wochentage bei HRS darüber gefreut, wie unaufdringlich-effizient die redesignte Site von HRS den Wochentag anzeigt, wenn man das Datum ändert. Und man sieht, schon im Titel habe ich vorweggenommen: Ist aber nur was Kleines, also seid nicht enttäuscht… Ich finde die Lösung von HRS immer noch sehr, sehr empfehlenswert. Aber ich habe damals vorab sage und schreibe 3000 Zeichen gebraucht, um die Leser darauf vorzubereiten, warum ich es so gut finde, indem ich erstmal erklärt habe, wie es die anderen machen. Vielleicht hätte es das nicht gebraucht, weil die Fachwelt es auch kapiert hätte, wenn ich nur: “Schaut mal hier” geschrieben hätte, aber darauf mag ich mich nicht verlassen.

So. Daran liegt es meiner Meinung nach. Das Gute ist zu simpel. Und darum jetzt auch ein Beispiel vom Meister des guten Simplen und simplen Guten: Google. Ich finde es wirklich bemerkenswert, wie es Google es immer wieder schafft, Sachen, die man schon hundertmal gesehen hat, neu zu durchdenken und dann besser und einfacher zu machen. Beispiel Google Suche vor fünf Jahren; fällt uns heute nicht mehr auf, aber vorher bei AltaVista und Co. war einfach allein die Anzeige der Trefferliste im Vergleich viel weniger logisch. Beispiel Google Mail vor ein paar Monaten (siehe Wieso Gmail wirklich anders, neu und wichtig ist).

Beispiel Google Talk seit zwei Wochen. Instant Messenger gibt es ja auch schon lange (ICQ habe ich 1997 das erste Mal genutzt). Aber die Leute bei Google überlegen zum einen, was die relevanten Use Cases sind, und die setzen sie dann gut um, und den Rest lassen sie weg. Was dazu führt, dass Google Talk nicht so ein Monster ist wie ICQ oder Yahoo Messenger, sondern eine kleine, schnell installierte Applikation.

Und dann überlegen sie sich, welches Feature man wozu braucht. Zum Beispiel die Uhrzeit. Beim Yahoo Messenger kann ich die Uhrzeit einblenden, und dann sehe vor jeder Zeile die aktuelle Uhrzeit. Was soll das? Die sehe ich auch rechts unten in der Ecke oder auf der Küchenuhr an der Wand oder auf dem Handy. Die Uhrzeit ist eigentlich nur bei einem Use Case relevant: Wenn ich das IM-Fenster offen habe, weglaufe, eine Nachricht bekomme, und beim Wiederkommen sehen will, wann der Absender die abgeschickt hat. Ich antworte nämlich allenfalls anders, wenn das zwei Minuten versus zwei Stunden her ist. Deswegen sieht eine laufende IM-Konversation in Google Talk so aus:

… und nach zwei Minuten Inaktivität wird dann noch eine Zeile angehängt: “Sent at 17:07 on Freitag”:

OK, Sprachmix, aber das macht gar nichts. Auch hätte ich ein Beispiel nehmen sollen, wo die andere Person zuletzt etwas schreibt, aber das kann man sich vorstellen.

Sowas finde ich einfach pfiffig. Ich weiss nicht, ob die Leute bei Google intelligenter sind, mehr nachdenken oder mit Usern testen. Vielleicht alles zusammen. Aber am Ende kommt es besser raus.

Es gäbe noch weitere Sachen bei Google Talk, die ich ähnlich fein finde, etwa die sessionsübergreifende History, automatisch, einfach so, im Fenster, nicht irgendwo abgespeichert. Wie eine Message, wenn der Client nicht oben ist, sich dezent unten rechts einblendet. Wie mehrere IM-Fenster kaskadieren. Und so weiter. Wer andere IM-Programme kennt und es installiert, wird es merken. Ich finde es jedenfalls in der Summe so gut, dass es nicht nur ein kleines Beispiel ist.


Falsche multiple Suche beim Handelsblatt

Wo man hinkommt (eben: http://www.handelsblatt.com/, siehe oben), sieht man als erstes Mist. Wenn man alles mitbloggen wollte, was einem beim ganz normalen Surfen über den Weg läuft, wäre es wirklich ein Vollzeitjob. Ich verstehe das nicht. Die meisten der Regeln, die verletzt werden, sind bald zehn Jahre alt. Dazu vielleicht ein andermal mehr.

Beim Handelsblatt ist es die Suche oben links:

Ich hatte “Wiki” eingegeben und Enter gedrückt, um den Artikel zum Thema von heute zu finden. Prompt hatte ich eine Kurssuche ausgelöst, zum Titel “Wiki”, den es nicht gibt.

Denn es sind eigentlich drei Suchen in einer: nach “Kursen”, im “Archiv” (Nebenbei: Was heisst das? Ist ein Artikel von heute schon dabei? Ist es Online oder Offline-Content), und nach “Firmen”. Das macht man nicht so. Nein, das ist keine Geschmackssache, sondern es ist einfach falsch.

Vielmehr macht man ein Suchfeld und ein Auswahlfeld, z.B. ein Dropdown, mit drei Werten, in dem der User spezifiziert, wonach er/sie sucht. Von mir aus kann man auch noch die meistgenutzte Suche als Default reinmachen, wenn das halt die Kurs-Suche ist. Und dann macht man einen Go-Button. Und Enter löst einfach das gleiche aus wie der Buttonklick. Nicht sehr schwierig und schon tausendmal gesehen.

Ich hatte noch nie etwas mit dem Handelsblatt zu tun, aber ich höre trotzdem den Ausredenschwall des Webverantwortlichen: “So ist es aber sehr effizient für alle, die es einmal verstanden haben”, “unsere Leser kommen sehr häufig und sind das daher so gewohnt”, “so brauchen wir weniger Platz, und wir haben ja ein soo breites Angebot”. Gähn. Und jeden Tag werden einfach 1000 Suchen auf den Kursen gemacht, bei denen die Leute eigentlich etwas anderes suchen. Na ja. Macht ja nichts, dass wir Fehler machen, Hauptsache, wir können sie sauber begründen.


Wikis bei IBM

Heute im Handelsblatt: Ein Artikel “Ideen spinnen – ganz ohne Hierarchien. So genannte Wikis bieten Unternehmen eine Online-Plattform zum Brainstorming. Offenes Wissensmanagement fördert die Kreativität”. (Volltext online nur für Abonnenten; einen kleinen Ausschnitt bekommt man zu sehen.)

CHRISTOPH LIXENFELD HANDELSBLATT, 9.9.2005 Alle Welt ist im Wiki-Fieber.
Wikipedia, die interaktive Enzyklopädie im Internet, bei der jedermann sein Wissen und seine Ideen einbringen kann, wird täglich von 14 Millionen Menschen weltweit genutzt.[...]In Deutschland ist das Softwarehaus IBM einer der Vorreiter. [...]Genau die waren aber erwünscht, als IBM nach neuen Wegen beim weltweiten Erstellen von Angeboten suchte.[...]

IBM ist ja so innovativ! Mitarbeiter von verschiedenen Standorten diskutieren online per Wiki miteinander. Das regt die Kreativität an, weil jeder schreiben kann, was er denkt, während in Sitzungen nie jemand was sagt. Ich bin beeindruckt.

Den Artikel hätte man allerdings vor 15 Jahren auch schon genauso schreiben können, nur mit anderen Plattformen. Zum Beispiel Lotus Notes, das IBM nunmehr vor genau zehn Jahren kaufte. Ich nehme auch eigentlich immer noch an, dass jeder IBM-Mitarbeiter mehr oder weniger einfach Datenbanken anlegen könnte, die dann ebenfalls weltweit genutzt werden könnten, für genau das, wofür sie gerade Wikis entdecken. Aber wahrscheinlich kennen selbst bei IBM intern die meisten Leute Notes nur als den im direkten Vergleich zu Outlook weniger cool aussehenden Mailclient. Und der einzige, der mit Notes wirklich das macht, was Ray Ozzie damals im Kopf hatte, ist bis heute Prof. Nastansky in Paderborn. Schade drum, finde ich immer noch.


E-Paper: Doch nicht so automatisch?

E-Paper und seine schlechte Usability hatte Andreas Göldi vor ein paar Wochen schon hinreichend diskreditiert. Daraufhin war ich zu faul, meine schlimmen Screenshots aus dem Spiegel-E-Paper noch zu posten, bei dem die Inhalte der Spiegel-typischen Textkästen einfach mitten im Lauftext des Artikels standen. Oje.

Und nun dieses hier: Heute habe ich mal die E-Paper-Version der Netzwoche angeklickt, einen Artikel aufgerufen, den ich einem Freund weiter leiten wollte (auch das nicht eben einfach und kommt auch gar nicht schön raus, als JPG), und dann sah ich das:

Netzwoche E-PaperJa, Moment mal.

Andreas hatte geschrieben:

E-Paper ist eine dieser Technologien, die eigentlich nur auf Anbieterseite für echte Begeisterung sorgen: Für die Verleger von Printmedien ist es eine einfache und billige Variante, ihren Content im Internet wiederzuverwerten. Der jeweilige Print-Titel wird tagesaktuell mit ein paar Konvertierungsprogrammen einfach eins zu eins in Dhtml umgewandelt, und fertig ist der Web-Content.

So hatte ich es auch immer verstanden: E-Paper gibt es so oft, weil es die Verleger, also konkret die DTPler, nur “Speichern unter” machen müssen. Aber wie kann denn dann auf der linken, grafischen Seite korrekt “sunrise steigt ins Voice-over-IP-Business ein” stehen, und auf der rechten Nur-Text-Seite: “sunrise steigt ins Voiceover-IP-Business ein”?

Muss da doch noch mal einer was anfassen, z.B. die Überschriften anpassen oder abtippen? Das wäre ja schlimm, und das vermutete Hauptargument für E-Paper wäre doch etwas entkräftet.


FirstTuesday unwired

It continues to amaze me, wie man so schön auf Englisch sagt, wie “unwired”, d.h. wenig Internet-affin FirstTuesday Zürich ist. Sie laden mich zu einer Veranstaltung ein und schicken das Anmeldeformular als Attachment mit:


1. Das Dokument heisst “FDF Confirmation M Iseli.doc”, und das Formular ist auch schon vorausgefüllt für Martin Iseli von Iseli Design. Na ja, kann ich ja überschreiben.

2. Sie schreiben zwar im Mail “If you accept this invitation, I kindly ask you to fill in the form and fax it or e-mail it…”, aber über dem Formular steht dann nur “Confirmation Form – Please Fax Back”.

3. Aber am besten gefällt mir der Abschnitt “Name and Phone number of your Assistant”. Isch abe gar keine Assistentin!

First Tuesday spricht ja immer die “Thought Leaders” an. Das wäre mal eine Untersuchung wert: Wie viele Thought Leaders haben eigentlich eine/n persönliche/n Assisten/in. Und, wichtige Zusatzfrage: Wie viele hatten schon eine, als sie ihren Leading Thought hatten? Die Köpfe der arrivierten Schweizer IT- und Telco-Branche, denen ich manchmal auf Konferenzen zuhören darf, machten jedenfalls auf mich nicht den Eindruck, als hätten sie noch wahnsinnig viele eigene Ideen – aber genau auf die scheint es FT abgesehen zu haben, sonst würden sie nicht solche Assistenten-zentrierten Formulare machen…

Oder ist das jetzt der Neid des Assistenz-Besitzlosen? Wer weiss.


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