Agentur für Usability und User Education
(aus “20 Minuten” von heute, Seite 2)
Kadire Fazlievska (16), Wolhusen
Für mich ist klar: Ich esse ab sofort kein Hühnerfleisch mehr. Schade, denn ich liebe Chicken Nuggets. Angst vor Vögeln habe ich aber keine. Ich werde sie in der Mittagspause weiterhin füttern.
Ich finde es toll, dass die mediale Aufklärung so gut greift. Und dass 20 Minuten, als grösstes Schweizer Medium für Leute, die keine anderen Zeitungen lesen, auch seinen Beitrag leistet.
Seth Godin verweist auf das Ideabook des Schweden Fredrik Härén, ein hübsch gebundenes Buch, das laut PDF-Vorschau immer Texte zum Nachdenken enthält und dann leere Seiten zum Reinmalen? Ob das funktioniert? Keine Ahnung. Ich habe das Gefühl, die Welt teilt sich ein in Leute, die in Bücher schreiben, und solche, die es nicht tun. Ich gehöre zur zweiten Gruppe, vielleicht weil ich immer denke, ich verleihe es mal, und dann will der zweite sicher nicht meine dummen Kommentare lesen — aber ich kenne Leute, die malen Ausrufezeichen an den Rand, knicken Ecken um, um wichtige Seiten zu markieren etc. *shiver*
Ich wäre jedenfalls bereit gewesen, mal wieder auszuprobieren, ob ich mich vielleicht überwinden kann, doch mal was reinzuschreiben, und wollte es bestellen. Wobei ich etwas merkwürdig fand, dass kein Preis auf der Seite steht, dazu muss man erst auf “More info” gehen, denn weil er es offenbar im Eigenverlag vertreibt, kann er Staffelpreise machen. Na gut. Ich würde einfach nicht 15 für alle Mitarbeiter bestellen, bevor ich es nicht selbst getestet habe, aber vielleicht machen das ja die Teilnehmer seiner Seminare. An die scheint man sich sowieso vor allem zu wenden, denn auf der ersten Seite steht “Sweden’s most popular creativity lecturer”, aber kein Name. Sorry, dass ich den noch nicht kannte.
Auch sonst ist einiges etwas komisch. Erstens führt der Link “More Info” zur Seite “The Idea Book”, was ein simpler Logik-Fehler ist.
Zweitens enthält die Folgeseite die Links “Download Sample” und “Order book” noch mal, allerdings an völlig anderen Stellen, was verwirrend und unnötig ist. Was ein Sample ist, ist sogar noch rudimentär erklärt.
Drittens nervt es mich generell, wenn Text als Grafik dargestellt wird. Was soll das? Ich rede hier noch nicht mal von Accessibility, sondern erstmal nur von Usability. Was ist, wenn ich die Staffelpreisliste kopieren und jemandem mailen will? Dann muss ich sie abtippen. Super medienkonform. Aber wir können ruhig auch von Accessibility reden, denn so sieht die Seite ohne Images aus:

Viertens ist die Site völlig nutzloserweise mit Frames gemacht, ohne dass es irgendwas nützt, ausser dass man immer nur die Einstiegsseite als URL sieht, was der Designer wohl für ein Feature hielt, ich aber für einen Bug. Wenn ich auf die Seite mit den Preisen linken will, weil ich sie ja nicht als Text kopieren kann, geht das auch nicht.
Fünftens habe ich dann trotz allem Seufzen und Schulterzucken gedacht, ich bestelle es jetzt doch, und als ich auf “Order book” klickte, war es ein Mailto-Link. Als Standardfehler identifiziert etwa 1996. Der eine tolle Mail öffnete an “info@interesting.org” mit dem Subject “Idea Book Order” und dem folgenden Text:
Dear Customer, thank you for ordering from interesting.org! Please specify Your Full Name, Company, Address, Country, E-mail, and how many books you want. Have a nice day!
An der Stelle wurde mir es dann zu doof. Der Typ nimmt richtiges Geld in die Hand, damit ihm eine Designagentur, die leider denkt, eine Website sei eine Online-Flyer, vier an der Oberfläsche hübsch gelayoutete Seiten macht, und dann schaffen Sie es nicht mal, ein Onlineformular zu machen, was sogar ich könnte (technisches Kriterium für “echt einfach”)? Das ich in zehn Sekunden ausgefüllt und abgeschickt hätte, weil die meisten Inhalte eh via AutoComplete kommen? Und auch wenn nicht, wo ich einfach die Felder ausfüllen kann, ohne nachzudenken.
Nee danke. Das Buch von so einem mentalen Offliner muss ich nicht haben, wenn ich’s mir recht überlege, kann da nichts Gescheites drinstehen.
Fazit: Ich höre manchmal das Argument von Kunden: “Unsere Website ist ja nicht so gross, da ist Usability nicht so wichtig.” Finde ich nicht. Auf kleinen Websites kann man prima grosse Fehler machen.
Wie einige von Euch gesehen haben, laufen derzeit zwei Schweizer Blog-Wettbewerbe:
Nach meinem Posting vom 26. Januar gab es einige sehr kritische Reaktionen auf unsere Ausschreibung.
Inzwischen habe ich zwei Telefonate mit Jan Zuppinger, OK-Mitglied der Swiss Blog Awards, geführt, zwischen denen wir beide jeweils noch wieder mit unseren “OKs” gesprochen haben, und wir waren in freundlicher Atmosphäre gemeinsam der Meinung, dass die Wettbewerbe unterschiedlich genug sind, um nebeneinander zu existieren, ohne dass man sich auf die Füsse tritt. Zwei Unterschiede stechen besonders ins Auge. Die Swiss Blog Awards sind ein reiner Publikumspreis, der einfach den beliebtesten Schweizer Blog küren will /(plus zwei weitere Kategorien, die mit dem Newcomer finde ich besonders gut), die Goldene Maus wird dagegen von einer Jury vergeben und hat eine Anspruch, generell etwas zur Volksbildung im Allgemeinen bzw. hier im Besonderen beizutragen. Wir denken, das wird sich unmittelbar bei den Preisträgern zeigen.
Für zwei Tatsachen habe ich mich bei Jan bzw. beim OK der Swiss Blog Awards entschuldigt:
Erstens, dass ich nicht im September 2005, als ich gesehen habe, dass da noch ein anderer Wettbewerb laufen wird, kurz ein Mail geschrieben habe und gesagt: “Hallo, wir planen etwas ähnliches, wollen wir uns mal kurz besprechen?” Das wäre eigentlich meine Art gewesen, mit so einer sich abzeichnenden “Kollision” umzugehen. Ich war aber zu der Zeit im Dissertations-Sabbatical und habe schlicht nur während unserer wenigen Sitzungen an das Thema “Maus” gedacht und es danach mental immer auf Januar verschoben.
Zweitens, dass ich vor meinem erwähnten Posting nicht nachgeschaut habe, ob bei den anderen inzwischen was gelaufen ist und daher (in meinem privaten Blog und nur in dem) mit dem launig gemeinten Satz “Musste ja irgendwann kommen: der erste (Schweizer) Blogwettbewerb.” begonnen habe. Das war einfach geschrieben, ohne vorher nochmal recherchiert zu haben, was die falsche Reihenfolge ist. Ich hatte in den vier Monaten dazwischen schlicht vergessen, dass da noch anderswo etwas anderes läuft, und Ende Januar hatte ich meine Blog-Lesetätigkeit erst langsam wieder aufgenommen (habe heute noch Hunderte von Ungelesenen im Bloglines); die inzwischen neu gelaunchte swissblogawards.ch hatte ich schlicht noch nicht auf dem Radar.
Einige Kommentare, auch per Mail, gingen aber noch etwas weiter. Man war der Meinung, dass wir die Swiss Blog Awards bewusst wahrgenommen, aber ebenso bewusst nicht ernst genommen hätten, weil wir ja Medienestablishment sind und die anderen ja “nur” ein paar Blogger. Diese Wahrnehmung tut mir leid, das muss an einer unglücklichen Formulierung von mir gelegen haben, aber das nun beim besten Willen nicht mein Standpunkt. Natürlich, zwei der massgeblichen Leute bei der Maus sind oder waren zwar bei der NZZ, aber ich selbst bin doch kein bisschen Medien-Establishment. Mit Verlaub darf ich daran erinnern, dass ich mich noch im Oktober 2005 bei der Tagimagi-Artikel-Diskussion für Web und Blogs und alles in die Bresche geworfen habe; da wäre es doch komisch, wenn ich im Januar schon vollkommen korrumpiert von der Tatsache gewesen wäre, dass ich jetzt in einer Jury mit Medienestablishment sitze (was übrigens schon seit zwei Jahren der Fall ist). Ich finde nach wie vor, es ist eine gute Sache, dass man Blogs durch einen Preis zu mehr Aufmerksamkeit verhilft, und wenn es etwas anders gelaufen wäre, hätte ich mir auch genauso vorstellen können, bei der anderen Seite mitzumachen.
Es wird noch eine offizielle Reaktion im Maus-Blog geben, das hier war meine private.
Ich wünsche Euch allen viel Erfolg mit den Swiss Blog Awards! Würde gern zur Preisverleihung kommen, aber Biel ist für mich als Pendler SG-ZH und Familienvater am Freitagabend irgendwie die falsche Richtung.
Wieder mal ein Artikel über Blogs in einer Zeitung: “Ritter der Schwafelrunde” in der Süddeutschen. Der Titel ist in seiner Plakativität nicht schlecht, zugegeben, auch wenn der Autor Alex Rühle trotzdem anscheinend überlegt hat, ob er ihn nicht durch “anschwellender Blogsgesang” ersetzen sollte. Diese Alternative fand er nämlich so gut, dass er sie immerhin noch im Lead und im Artikel untergebracht hat. (Auf das Original “Anschwellender Bocksgesang”, ein Spiegel-Essay von Botho Strauß von 1993, wird so oft sprachlich angespielt, dass ich langsam gern mal eine Umfrage machen würde, wie viele Leute diese Spielchen eigentlich mitbekommen.)
Rühle schiesst sich vor allem ein auf die Leute, die das Web sowieso und jetzt Blogs als Hilfsmittel betrachten, uns alle in eine höhere Sphäre zu heben, die finden, dass sich “im Internet die Idee eines kollektiven Bewusstseins manifestiert” (Steven Levy) und so weiter und so fort. Ich kenne ein paar Blogger, online wie persönlich, und keiner von denen denkt sich solche Sachen aus. Aber natürlich, wenn man als Journalist Blogs oder generell das Web 2.0 diskreditieren will, dann muss man nur ein paar durchgeknallte Typen zitieren, und schon geht’s ganz einfach.
Natürlich ist das nicht der einzige Ansatz, wir haben schon einige Alternativen kennengelernt, die auch zum gewünschten Resultat führen. Eine ist es, banale Inhalte zu zitieren. Das kann man mit fast jedem Medium machen, und es funktioniert fast immer. Nur würde heute wohl keiner drauf kommen, einen schlecht geschriebenen Artikel aus einem Gratis-Quartierblatt zu zitieren und anhanddessen nachweisen zu wollen, wie dürftig das Niveau des Mediums Zeitung eigentlich ist; ich könnte mir aber gut vorstellen, dass zu Gutenbergs Zeiten von einigen Mönchen so argumentiert worden ist (damals wohl noch nicht anhand von Gratisblättchen).
Wobei ich nicht sagen will, dass Diskretieren nicht durchaus einen gewissen Unterhaltungswert hat und vielleicht sogar zutreffend sein könnte. In der aktuellen Weltwoche macht Gion Mathias Cavelty sich unter dem Titel “Liebe ist… wenn es knackt” (online nur für Abonnenten) über das SVP-nahe buureradio.ch lustig, indem er ein Partnersuche-Interview mit einer Bäuerin wiedergibt, in deren Partnersuchportfolio offenbar die körperliche Anziehungskraft des Gesuchten zentralen Raum einnimmt, wie der abgedruckte Dialog zwischen Moderatorin Vreni Zuberbühler und Kandidatin Karin zeigt:
Vreni: «Danke für dini Aagoobe, und jetz chömmemer zu dim gsuechte Traummaa. Wa meensch, wie sött er uusgsieh?» / Karin: «Da isch no relativ schwierig… Do jo s Aug au mitisst, sött er gliich no einigermasse uusgseh… Er sött öppe-n-es Hobby ha… Und sött au chönne mit mir öppe-n-es Ross stehle.» / Vreni: «Jo… In däm Fall gohts gliich echli übers Uusgsieh… Bisch du nüd e Frau, wo saat: Mir isch glich, wie-n-er uusgsieht – d Hoptsach isch mer, wenn er en Leiige isch?» / Karin: «Jo… (diplomatisch) S Leiig-Sii wär jo an und für sich au guet… Aber… (Pause) do me jo gwüssi Aasprüch hät… mue jo säb au stimme (lacht schmutzig).» / Vreni: «Jo, aso i bi ganz gliicher Meenig wie du… I denke, me chauft au nüd unbedingt e Chueh, wo em nüd gfallt, obwohl me dezue au mue säge, dass nüd all die schönschte Chüeh am meischte Milch gend… Und wie alt sött er denn see? Häsch du e Limite? Zum Biispiel, dass du saasch ‹bis Vierzgi›?» / Karin: «Wenn en Vierzgjöhrige mag mithebe mit dem wa-n-i… (Pause) mache, tue und bruuche…» / Vreni: (lacht schmutzig) / Karin: (lacht schmutzig) «…denn isch mer da gliich…»
OK, saulustig. Würde es gern als Podcast hören. Aber sagt das mehr über Radio als Medium aus oder über buureradio als Kanal? Eben.
Und jetzt könnte man, um wieder die Brücke zum Artikel in der Süddeutschen zu schlagen, noch etwas “Radiotheorie” hervorkramen, die gibt’s ja praktischerweise sogar unter dem Namen, etwa von Brecht, dann hätte man auch wieder eine Wahrnehmung des Mediums auf der Metaebene, die in der Realität nicht gerade genauso eingetreten ist, was das Medium aber nicht daran gehindert, eine bedeutende Rolle zu spielen.
Mir gehen die nur positiven und die nur negativen Artikel zum Thema “User Participation” gleichermassen auf die Nerven, den in beiden findet man denselben Mechanismus: Die überschwänglichen räumen in einer Fusszeile ein, dass es auch ein paar belanglose Blogs geben könnte, und die kritischen schreiben einen halben Absatz darüber, dass es ja durchaus auch einige beachtenswerte Entwicklungen gibt. (Rühle schreibt einen Satz: “Natürlich, es gibt die Bildergalerie Flickr, die Musikbörsen, Googleearth, all diese Programme, die Konsumenten miteinander vernetzen und ihnen fantastische Plattformen für Kommunikation und Selbstinszenierung bieten.” und weiter unten noch mal ein paar über den Sony/BMG Rootkit-Skandal: “Früher hätte der Mann einen Brief geschrieben und eventuell eine schmallippige Antwort bekommen. Heute, in Zeiten der globalen Stiftung WWWarentest, löste seine Erkenntnis einen Orkan im Netz aus. Am Ende entschuldigte sich der Chef des Musikkonzerns persönlich in einer Pressekonferenz.” — aber in beiden Fällen kehrt er gleich danach mit einem grossen “Aber” zurück zum Bashing.)
Beide Seiten vereinfachen damit die Realität unzulässig. Den Zustand, dass es praktisch nichts mehr kostet, etwas weltweit zu publizieren, haben wir schon einige Jahre, und jetzt gibt es auch noch ein Format, das die Aktualität in den Mittelpunkt stellt.
Das wird ganz sicher einiges bewirken, das ich aber hier nicht alles aufzählen möchte, andere Blogs tun das berufener als ich.
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Berliner Flughäfen lancieren cleveren Service
Die Berliner Flughäfen bieten einen neuen, innovativen Service: Auf viaberlin.com können schnell und bequem Flugverbindungen durch Europa über Berlin zu günstigen Preisen zusammen gestellt werden. Von Krakau nach Reykjavik, von Köln nach Tallinn - und dies immer über die faszinierende Metropole Berlin. Die Site präsentiert einen ‘intelligenten’ Flugplan, der alle möglichen Verbindungen über das Drehkreuz Berlin in einem definierten Zeitraum aufzeigt.
Lustige Idee. Ein anderer Approach an das Thema Flugbuchung als der klassische, bei dem erstens Umsteigen per se schlecht ist und bei dem es zweitens immer nur um den Preis geht. Entsprechend sind hier die Resultate der Ausgabe geordnet nach Umsteigezeit.
Nicht dass Via-Berlin-Fliegen jetzt plötzlich ein wichtiger Use Case würde, aber offenbar ist es billig genug, diese Site zu realisieren, auch wenn es nur vergleichsweise (im Vergleich zu allen Flugbuchungen) wenig Leute nutzen werden.
Zählt das als Mashup? Glaube nicht, dass man die Daten frei irgendwo bekommt, aber vielleicht demnächst mal. Auf einer persönlichen Website könnte ich das gleiche via Zürich machen, und Freunden, die mich lange nicht gesehen haben, schicke ich den Link und schlage ihnen vor, doch über Zürich in den Süden zu fliegen. Dann müsste ich nur noch deren Namen hinterlegen und bei denen, die ich eigentlich nicht so lange sehen will, nur die Treffer ausgeben, bei denen es nur für einen Kaffee am Flughafen reicht.