Agentur für Usability und User Education
Die Lokalisierung von SugarCRM macht richtig Lust, sie auszuprobieren:

Ich komme mit dem Zug in Hauptbahnhof von Zürich an und steige aus. Wo geht es nun genau Richtung Sihlpost? Nach rechts?

Auf den ersten Blick könnte man meinen, zur Sihlpost gehe es nach rechts. Der Pfeil rechts oben und das Wort Sihlpost unterhalb, verschmelzen in unserer Wahrnehmung zu einer Einheit. Das es sich um zwei verschiedene Schilder handelt, die einfach übereinander montiert wurden, sieht man erst auf den zweiten Blick.
Dieser Wahrnehmungseffekt ist eigentlich schon lange bekannt. In den sogenannten Gestaltgesetzen (siehe Wikipedia oder bei Christoph Becker) wurden solche Effekte schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Max Wertheimer beschrieben. Das Problem ist nur - wie Becker richtig schreibt: “Eine Vorhersage der Wahrnehmung ist kaum möglich.”
Dass ich aber mit meiner Wahrnehmung nicht ganz alleine bin, hat mir kürzlich ein verirrtes Paar bestätigt, welches ich bei der Sihlpost angetroffen habe. Sie seien im Bahnhof “den Schildern Richtung Sihlquai” gefolgt.
Mit GoogleAds beschwingt und divers durch den Sonntag:

Dogtags (kriege ich ständig als Werbung, hab aber noch nie jemanden damit gesehen, wo genau sind die eigentlich angesagt?), Wachsleichen (da ich nichts von “Wachsleichen” oder sonstigen Beerdigungs-Keywords gemailt habe, muss das wohl eine Kampagne sein, die überall angezeigt werden kann - wäre es dann nicht möglich, eine appetitlichere Überschrift zu nehmen), Deutschland trägt RIEDLE (Papiertüten in 17 Tagen geliefert, wieso genau in 17?).
Einerseits ist es ja toll, dass alle GoogleAds machen können, aber alle drei sollten mal “Landing Page” googeln und sich darüber ein paar Gedanken machen, wie es nach dem Klick auf der Website weitergeht.
Ich habe gerade mal ein Dutzend GoogleAds angeklickt, und ausser beim Stichwort “Wasserbettenzubehör” ging’s immer auf die Homepage (die entsprechende Unterseite “Wasserbettenzubehör” bei Bettwaren-Shop.de ist auch nicht so dolle).
Die einfache Aussage zum Thema: Man sollte in der Regel bei Onlinewerbung eben nicht die Homepage verlinken, sondern konkret ein Produkt bewerben und dann die Leute auf einer speziellen Seite “abholen”.
Hier ist einfach mal der oberste Treffer zum Thema: “Die Landing-Page - Das Geheimnis hoher Konversionsraten”, hab den Artikel nicht im Detail gelesen, aber sieht nicht so schlecht aus.
Wer die Sonntagszeitung abonniert und im Onlinebanking die Kontonummer 01-53581-6 eintippt, sieht anhand der automatisch ergänzten Daten, dass das Geld an Frau Bettina Hoffmann geht:

(Auf der Rechnung steht “SonntagsZeitung Contact Center”. Das meinten sie wohl eigentlich. Ist aber viel sympathischer so, wenn man weiss, wohin das Geld geht.)
E-Mail von Tipp24.de:
Guten Tag, Peter Hogenkamp,
mit dem heutigen Tag sind Sie genau Kunde bei Tipp24.de. Für Ihre Treue möchten wir uns herzlich bei Ihnen bedanken. Ohne Sie wären wir nicht zum führenden Lotto-Annahmeservice im Internet gewachsen.
Ich bin heute genau Kunde. Und zwar auf den Tag genau. Toll. Bei dem Gutschein über € 1,25 komme ich natürlich auch gleich so richtig in Champagnerlaune.
Ist bei weitem nicht so schlimm wie ein anderes lustiges Beispiel für die Verwendung von Variablen in E-Mails, aber auch ganz nett.
Da ich Tipp24-Gründer Marc Peters mal kennengelernt habe (am 20. März 2001, ich wünschte, mein Lotus-Notes-Kalender würde bis zu meiner Geburt zurückreichen), frage ich ihn mal, mein wievieljähriges Jubiläum es ist.
Update: Marc Peters antwortet:
hallo herr hogenkamp,danke für den hinweis. da scheint die variableim textfeld verlorengegangen zu sein.gruss aus hamburg,Marc Peters Vorstand Tipp24 AG Falkenried-PiazzaStraßenbahnring 11-1320251 Hamburg phone +49 (0)40 32 55 33 0fax +49 (0)40 32 55 33 5100 https://www.Tipp24.de Tipp24.de - Lotto im Internet. Clever gemacht.
Ja, das hatte ich auch gesehen. Na ja, wenn man mal Vorstand ist…
(Die dämliche Formatierung mit den grossen Zeilenabständen liegt nicht an ihm, sondern an Kaywas WYSIWYG Editor TinyMCE.)