Agentur für User-Centered Design
Als kleiner Nachtrag zu Peters Fundstück eines “kreativen” Navigationskonzeptes nun ein weiteres Beispiel, wie man es nicht machen sollte:
Das Architekturbüro Ushida Findlay lässt seine User über ein Gebilde navigieren, das entfernt an ein Molekül oder Sternensystem erinnert. Die einzelnen Inhalte der Website müssen über rotierende Punkte angesteuert werden, die weder direkt angeschrieben noch verständlich benannt sind.

Solche Navigationskonzepte drängen den User zur so genannten “Minesweeping”-Taktik, bei der Links mehr oder weniger aufs Geratewohl zufällig angeklickt werden.

Minesweeper: Wehe, man klickt am falschen Ort…
So viel Kreativität und Ärger muten die Architekten wohl keinem Besucher ihrer realen Bauwerke zu. Zumindest in diesem Beispiel hätte es niemandem geschadet, wenn die Architekten mit ihren Namensvettern, den Informationsarchitekten, zusammen gesessen hätten…
Warum zu Geschäftsöffnungszeiten zum Ticketcorner rennen wenn man Shakira Tickets auch über ricardo.ch kriegen kann?
Dumm ist dann nur, dass mir der Verkäufer die Tickets nach Basel schickt, ich aber in Zürich Wochenaufenthalterin bin. Noch dümmer wenn die Tickets erst am Konzerttag selber eingeschrieben in Basel ankommen. Auch dumm ist, dass das Konzert in Zürich stattfindet, also nicht da, wo meine Tickets sind.
Möglichkeit A) Kundentermin absagen, nach Basel fahren und bis um 11Uhr auf den Pöstler warten um den Brief entgegenzunehmen.
Möglichkeit B) 10 Leute anrufen und fragen, ob sie A) für mich erledigen würden. Den Leuten natürlich erst noch eine Vollmacht schreiben, der Brief ist ja eingeschrieben.
Möglichkeit C) Morgens um 8:00 den Kundendienst der Post anrufen!
Ja lacht nur ab Möglichkeit C), aber das nette Frolein am Telefon hat doch tatsächlich den Chefboten in Basel angerufen, sich die Handynummer meines Pöstlers geben lassen und diesen dann beauftragt, den Brief per Express zu mir nach Zürich umzuleiten. Nachmittags um 15:00 hatte ich die Tickets in den Händen, was für ein Service!

Ein Kränzchen für die Post, so einen Kundenservice hätte ich ganz ehrlich gesagt nicht erwartet. Und seien wir mal ehrlich: wären alle Prozesse so reibungslos und einfach, bräuchte es uns ja gar nicht mehr ;-)
Kleiner Wettbewerb am Rande: aus welchem Jahr stammen die Briefmarken?
Kontaktformular. Eine der ältesten Anwendungen der Welt.

Hand hoch, wem es noch nie passiert ist, dass er hier versehentlich auf “Zurücksetzen” gedrückt hat.
Der Button ist so überflüssig wie ein Kropf und auf dieser Art Formular immer schon ein Fehler gewesen. Und hat trotzdem zehn Jahre Web überlebt.
Schlimmste Sorte. Homepage des “Hotel Wedina“, Hamburg.
Den Designer sollte man ohrfeigen für dieses Ratespiel. Und wenn er sagt: “Aber bei Rollover sieht man ja, wofür was steht”, gleich nochmal.
Das Mail der Woche habe ich heute von der CI/CD-Abteilung eines Kunden erhalten.
Wir erstellen für diesen Kunden gerade eine Bedienungsanleitung für ein Gerät. Diese Anleitung soll den technologiescheuen Endkunden dazu befähigen, das komplizierte Gerät in Betrieb zu nehmen. Um ihm die Angst vor der Technik ein bisschen zu nehmen, wollten wir das Gerät möglichst “sympathisch und nicht technisch” darstellen, sprich fotorealistisch statt in schwarz-weiss-Strichzeichnungen.
Das Feedback der Corporate Design Sheriffs: “Die Sympathiephase für ein Produkt (pre-sales) ist mit dem Kauf abgeschlossen.”
Tja, wenn das so ist, lässt sich ja wohl nicht viel machen. Geld her und dann – husch ab nach Hause verzweifeln gehen.
Aber keine Angst, liebe Endkunden, wir geben uns weiterhin sehr viel Mühe, euch benutzerfreundliche Bedienungsanleitungen zu erstellen – und streiten uns in eurem Namen mit obgenannten Menschen.