Agentur für Usability und User Education
Die Schliessfachautomaten zu Köln
Letztens war ich auf einer Städtereise nach Köln. Am letzten Tag meines Aufenthalts wollte ich mein Gepäck in einem Schliessfach am Bahnhof deponieren und mich danach noch einmal ins Getümmel stürzen, bis mein Zug abfährt. Soweit so gut, doch die Suche nach einem Schliessfach endete vor diesem Apparat.
Der Schliessfachautomat am Haupt-
bahnhof von Köln.
Obwohl ich grundsätzlich ein technikaffiner Mensch bin, beschlich mich beim Anblick dieser Maschine ein leises Unbehagen. Wo landet mein Gepäck, wenn ich es diesem Gerät anvertraue? Hat es irgendwo unter dem Boden ein Lager? Erhalte ich dann wirklich das richtige Gepäckstück zurück und was mache ich, wenn ich 15 Minuten vor Abfahrt wiederkomme und die Maschine spinnt?
Dass ich mit meinem Gefühl nicht alleine war, sah man den Menschen die sich um die Automaten versammelten deutlich an. Misstrauisch liefen Sie um den Automaten herum und beäugten das Ungetüm von allen Seiten. Sie studierten die angeschlagene Bedienungsanleitung und beobachteten die anderen Reisenden dabei, wie diese ihr Gepäck schweren Herzens in die Öffnung stellten, den geforderten Betrag in den Münzschlitz einwarfen, zusahen wie sich die Schliessfachtüre schloss und schliesslich das Ticket entgegennahmen.
Ein leises Unbehagen dominiert das Nutzungs-
erlebnis. Wo landet mein Gepäckstück genau?
Als Psychologe vermute ich, dass dieses Misstrauen damit zusammenhängt, dass wir kein mentales Modell von einer Schliessfachanlage haben. Wir stellen das Gepäck ein, wissen aber nicht, was damit passiert. Bei einem traditionellen Schliessfach ist uns das sonnenklar und auch bei der Gepäckaufbewahrung sehen wir im Hintergrund die Gestelle, auf denen die Gepäckstücke deponiert werden. Aber bei diesem Automaten verschwinden die Gepäckstücke irgendwo, was das Prinzip der Objektpermanenz unterläuft.
Als ich dann schliesslich an der Reihe war, stellte sich die Bedienung des Automaten als problemlos heraus. Mein Gepäck verschwand irgendwo in den Katakomben des Kölner Bahnhofs und ich nahm mein Ticket entgegen. Dennoch kam ich dann doch etwas früher zum Bahnhof zurück als gewöhnlich - nur zur Sicherheit.
Noch 9 Tage bis zum Welt-Usability-Tag mit dem Thema «Transportation». Lesen Sie hier jeden Tag über eine Usability-Hürde oder eine gute Usability-Lösung im Bereich Verkehrs- und Transportwesen.
Wettbewerb
Haben Sie selbst ein Foto von einer Usability-Tücke oder einem Highlight gemacht, das mit Verkehr und Transport zu tun hat? Senden Sie Ihre kommentierten Fotos an info@zeix.com. Für die besten drei gibts Kinogutscheine.
Mehr Informationen zum World Usability Day 2008.
2 Kommentare zu “Welt-Usability-Tag Countdown: noch 9 Tage”
christian | Dienstag, 04.11.2008 09:02 |
Mach’s nicht so spannend! Hast du dein Gepäck wiedergekriegt?
Philipp Murkowsky | Dienstag, 04.11.2008 14:18 |
@Christian: Ja, das Gepäck wurde tatsächlich wieder ausgespuckt. Nicht dass ich wirklich ernsthaft daran gezweifelt hätte, aber gefühlsmässig war mir doch eher unwohl.
Einen Kommentar zu diesem Eintrag schreiben
Kommentare als RSS-Feed