Agentur für User-Centered Design
Wir unterbrechen die Unterbrechung für drei aktuelle Hinweise. (Vier Wochen Blog-Pause würde schon gehen, wenn man in der Zeit ohne Satellitenlaptop im Himalaya unterwegs ist, aber wenn man weiterhin Mails bekommt und surft, ist es nicht ganz einfach. Vielleicht bin ich einfach zu wenig offline.)
Lustig, was alles durch die prominenten Google-Platzierungen der Blogs passiert. Mein Posting “Sonderpreis für die schlechteste Navigations-Innovation Checkbox” gefällt den Betreibern der Plattform nicht, weil sie es bei der Google-Suche nach sich selbst für ihren Geschmack zu weit oben finden. Per Mail an mich danken sie “für den qualifizierten Input”, betonen, dass sie “einige Punkte aufgenommen und auf unserer Webseite bereits realisiert” haben, und bitten mich daher, “diese entsprechende Webseite wieder vom Netz zu nehmen (…), zumal die Aktualität heute nicht mehr gegeben ist”.
Auch wenn ich nicht finde, dass Blogs jetzt unbedingt die wichtigste Speerspitze auf dem Weg zu einer besseren Welt sind, ist das doch sicher nicht die Idee. Ich kann ja nicht nachträglich ändern, was ich am 16.10. gedacht habe, denn damals war es ja so. Und was die Änderungen angeht, nun ja, sie haben die lustigen Checkboxen aus der Navigation rausgenommen. Habe das natürlich auch als Update im Original-Posting vermerkt. Alles andere würde ich komisch finden.
Das zweite ist auch eine Folge der hohen Google-Platzierungen, aber richtig bizarr. Jemand meint aus irgendeinem mir völlig unerfindlichen Grund, mein Blog sei eine Coop-Website und bringt unter meinem ersten M-Budget-Posting einen entsprechenden Kommentar an. Ich werde den mal an den Coop-Konsumentendienst weiterleiten (mein Gott, deren Kontaktformular ist auch erbarmungswürdig mit seinen 120 Zeichen, die es ohne Scrollen fasst, in welcher üblen Webdesignerschule lernen das eigentlich alle?), mal sehen, was die dazu meinen.
Das dritte schliesslich ist allgemein ein bisschen rumsurfen auf allem, was sich neuerdings Blog nennt, es eigentlich aber nicht ist. Sebastian Schulte von der Wirtschaftswoche hat auf meine Frage nach den RSS-Feeds geantwortet, immerhin, nach genau einer Woche. Aussage: Die RSS-Feeds sind noch in Arbeit, denn das “wiwo-online-Team hat alle Hände voll zu tun”. Aha. Aber Marcel hatte ja, ebenfalls in den dortigen Kommentaren, schon geschrieben, dass die Feeds eigentlich schon da sind und nur nicht per Link oder Button auf der Site angezeigt werden. Und sie funktionieren auch, ich habe Baron (blog.wiwo.de/blackbaron/rss.xml) subscribed, alles prima. Mit anderen Worten: Man müsste nur einen RSS-Button oder -Link hinzufügen. Wie lange dauert das bei einem brandneuen CMS, selbst bei neuerdings sieben Blogs? Zehn Minuten?
Ehrlich gesagt und mal ins Blaue geraten, ich glaube nicht, dass die Onliner so doof sind, sondern eher, dass sich irgendwer politisch noch nicht einigen konnte, ob und wie sie RSS-Feeds publizieren, weil man sich noch nicht entschliessen kann, was man jetzt machen will mit diesem RSS-Zeugs, weil man ja die Pageviews nicht verlieren will. Ist aber auch doof, dass nach zehn Jahren Web, wo man sich gerade einigermassen dran gewöhnt hat, jetzt schon wieder eine Innovation kommt. Ähnlich scheint auch Spiegel online mit seinen Nur-Headlines-Feeds zu denken, die nicht nur schamhaft unter Der Tag >> RSS versteckt sind, sondern vor allem weitgehend nutzlos.
Fast in dieselbe Schublade hat sich die “Bunte” begeben, die unter dem Dach von T-Online verschiedene Starblogs anbietet. Offenbar wollen letztere das Thema pushen, denn der Teaser “Weblogs – Ihre Ideen im Internet” auf der vorherigen Starblogs-Einstiegsseite linkt zu einer Verkaufsseite für bei T-Online gehostete Weblogs. Sprich: Die wollen mit den potenziellen Bloggern unter ihren Access-Kunden zusätzliches Business machen, was ja auch sonst ihr Ansatz (alles aus einer Hand und alles auf die Telefonrechnung) und von mir aus auch völlig in Ordnung ist. Nur finde ich es immer irgendwie komisch, dass keiner meint, man müsste mal erklären, was so ein RSS-Feed eigentlich ist. Von den 4 Millionen T-Online-DSL-Kunden wissen das — wie viele? 50’000? Die deutschen Blog-Statistiken (meistgelesener Blog BILDblog 25’000 Visits am Tag) lassen so etwa das vermuten.
Auf der Seite von Jeanette (weiss gar nicht, wer das ist), ist der RSS-Button einfach total weit rechts unten, und durch den eng daneben stehenden Link “Was ist das?” könnte man noch denken, es sei gar kein Button. Sympathisch aus Schweizer Sicht: Das machen sie nicht mit einem Link auf ihre eigene dünne Erklärung, sondern auf die Weblog FAQ von unserem lieben auch hier mitlesenden Stefan Bucher.
Mein Fazit: Selbst die Neue-Medien-Leute von T-Online haben zwar in ihrer Eigenschaft als Provider schnell vier Blog-Hosting-Angebote für Kunden ins Programm genommen, aber in ihrer Eigenschaft als Medienanbieter haben sie doch sichtbar Mühe.
Und damit wieder zurück ins Sabbatical. Schöne Zeit allerseits.
Liebe Lesende, ich muss mich leider für vier Wochen abmelden. Die kleine wissenschaftliche Arbeit, von der ich bereits sprach, geht aus formalen Gründen ihrem Ende entgegen, ohne inhaltlich schon nach vier Wochen vorher auszusehen, und verlangt daher dringend mehr Fokus.
Dabei gäbe es doch so viel zu erzählen, jeden Tag! Meine liebe Uni, die HSG, hat ihre Website leicht neu angemalt, und ohne mich über das Gesamtergebnis auszulassen, darf ich sagen, die rechte Spalte sucht ihresgleichen. Wenn es einmal ein plakatives Beispiel für “Komisch, in Photoshop sah es doch noch soo gut aus…”, ist es unter unisg.ch zu sehen. Unter der Woche unbedingt weit runterscrollen bis zu den “Quick Links” und am Wochenende, wenn es nur eine oder zwei Veranstaltungen sind, auch nochmal schauen. Versteht man sicher auch ohne meine weitschweifenden Erklärungen.
Eigentlich wollte ich versuchen, in der Endphase (die eigentlich schon genauso lange läuft, wie ich so aktiv war :-) nur Zweizeiler zu posten, aber erstens habe ich gemerkt, dass ich das infolge zu langer Assoziationsketten nicht schaffe, und zweitens will man ja auch dem zufällig vorbeigoogelnden Passanten, der “fiona hefti playboy” eingegeben hat (kein Scherz, sondern 12 Search Engine Referrals letzte Woche) oder “moritz leuenberger 079″ (auch immerhin neunmal) gesucht hat, keinen falschen Eindruck verschaffen.
Ich werde Euch vermissen, Ihr 827 freundlichen Visits am bisher meistbesuchten Tag (3. 11.), und wenn ich zum Nikolaustag zurückkehre und bei 8 oder so wieder anfange, werde ich auch nienieniemehr um Feedback in Form von Kommentaren buhlen, das verspreche ich schon mal, auf dass auch Ihr wiederkommt. Bis dahin.
Heute ist World Usability Day, ausgerufen von der Usability Professionals’ Association.
USA Today hat zum Thema einen ganz ordentlichen Rundum-Artikel Why are tech gizmos so hard to figure out?, der natürlich wieder die alten Kamellen bringt, wie den Videorecorder mit den blinkenden Nullen und die ewige E-Mail-Kettenbrief-Frage, warum man bei Windows “Start” drücken muss, um den Computer abzuschalten. (Aber was ist so unlogisch daran, dass man den “End”-Button festhält, um ein Handy auszuschalten? Soll man etwa lieber den grünen festhalten, in Analogie zu Windows?) Was ich nicht wusste, ist, dass man bei IBM einem “process of designing cellphones” zuschauen kann. Wessen denn?
Wir von Zeix hatten vor ein paar Wochen überlegt, eine Online-Umfrage zu machen. Die Frage:
Hattest Du im letzten halben Jahr ein Problem mit der Bedienung eines technischen Geräts oder einer technischen Anwendung, das dazu führte, dass Du etwas nicht gekauft hast, für das Du dich interessiertest; oder es nicht nutzen oder kaufen konntest, obwohl Du eigentlich wolltest?
Das ist jetzt meine Paraphrase der Frage; vielleicht hätten wir es mit gemeinsamen Kräften geschafft, sie ein bisschen weniger kompliziert zu formulieren… :-) Tatsache ist jedenfalls schon mal, in 160 Zeichen SMS bringt man sowas nicht unter, oder nur mit zu drastischen Vereinfachungen.
Im Online-Formular hätte man dann Kategorien gehabt wie “Websites”, “Handy” etc. (Wobei auch das noch kompliziert ist, denn Handy sollte man wieder unterteilen in Gerät und Mobile Services und so weiter.)
Wir haben recht lange gebrainstormed, wie wir auf die nötige Teilnehmerzahl für diese Umfrage kommen. Die vorhandenen Zeix-Kontakte zu nutzen, wäre nicht gut gegangen, da unsere Kunden natürlich meist beruflich vorbelastet sind, sprich: falsche Stichprobe.
Möglich gewesen wäre natürlich das Prinzip Bugsy: Metzgen oder freilassen? mit 4480 Plakatstellen, da wäre man dann auf 15’000 Stimmen gekommen, was damals als sensationeller Rücklauf gewertet wurde (hier minus 10’000, die die in unserem Fall kompliziertere Frage nicht kapiert hätten), aber unser Kampagnenbudget ist dieses Jahr leider schon in die Bratwürste bei der Hauseinweihung geflossen.
(Lustige Sache, gerade gesehen: “Metzgen” ist auf Französisch übersetzt mit “Casserole”. Coole Typen, diese Werbetexter. Die hätten sicher meine Frage von oben auch in drei Wörtern untergebracht.)
Unser Zeix-Brainstorming drehte sich daher hauptsächlich um die Frage, ob wir etwas “Virales” hinbekommen, etwas, bei dem wir den Anstoss geben, der dann von selbst weiter getragen wird. Ehrlich gesagt, uns ist nichts eingefallen, das uns selbst überzeugt hätte.
Usability ist zwar ein Thema, das wichtig ist und alle betrifft, wie auch alle nicht müde werden zu betonen (auch Probanden in Usability-Tests, obwohl wir sie das gar nicht fragen :-), aber so sexy, dass es sich selbst trägt, ist es meist doch nicht. Das ist unser aller Dilemma: Viele Leute beschweren sich zwar lautstark, kaufen dann aber die Geräte der nächsten Generation doch wieder nach eher irrationalen Kriterien. Na ja, vielleicht gibt es da ja doch auch mal einen Lernprozess. Vielleicht bei denen, die das Handy-Entwicklungslabor von IBM besichtigen gehen.
Jetzt aber. Action Items für Euch:
Hatte etwas geschrieben, was deutlich zu lang war für ein einzelnes Posting. Habe es jetzt zweigeteilt. Trotzdem, wer sich nur für Usability an sich und nicht für die Usability-Branche interessiert, darf morgen wiederkommen. :-)
Anfang 2001 haben wir bei Zeix angefangen, Usability als Standalone-Dienstleitung anzubieten. Erschreckend viele Internet-Verantwortliche hatten damals noch gar nichts davon gehört. Andere meinten zu wissen: “Usability = Testing”. Das blieb aber für uns nur in den ersten beiden Projekten so. Wir erkannten schnell, dass unsere Kunden nicht nur eine Fehlerliste brauchen, sondern basierend auf den Testergebnissen konkrete Verbesserungsvorschläge. Also haben wir die angebracht, zuerst nur skizzenhaft (“hier könnte man stattdessen eine Maske ähnlich wie XYZ.com machen”), dann immer konkreter (“hier unser Vorschlag für die neue Maske”).
Nicht selten kam jedoch dann die Webagentur der Kunden (befreundete oder solche, die das hier mitlesen, natürlich ausgenommen) und machte beim Umsetzen so schlimme neue Fehler rein, dass uns beim ersten Besuch der Site nach dem Launch das nackte Entsetzen packte. Wir erkannten, dass wir besser recht genaue Spezifikationen abliefern sollten, damit wirklich nichts schiefgeht. Von dort aus war es dann nur noch ein Schritt dorthin, dass wir selbst auch entwickelten, zunächst meist in Folgeprojekten von Tests. Natürlich immer unter Einbezug der User, in Iterationen. Breit, aber gleichzeitig recht detailliert. Am Ende hübsch anmalen und das CMS aufsetzen machen weiter die Agenturen, wobei es mit denen, die auch Konzepte anbieten (was ja die grossen alle machen), natürlich nun merkliche Überlappungen gab.
Für das ganze gibt es natürlich auch ein griffiges englisches Wort, nämlich “User Centered Design”; damit man es eben nicht mit Anmalen verwechselt, ist noch besser: “User Centered Development”. Es gibt sogar dazu die ISO-Norm 13407 (Wikipedia, ISO).
Und so sieht das als Folie aus:
So weit, so gut. Nur: Nicht wenige Internet-Verantwortliche denken bis heute nur, wenn sie Usability hören, an Testing kurz vor dem Launch. Leider ist es am Ende natürlich oft schon zu spät. Selbst wenn man alle Fehler findet, hat man kein Budget und keine Zeit mehr, noch etwas zu ändern. Es ist also nicht nur die Lust auf höhere Budgets, die uns antreibt, wenn wir dem Kunden zu User Centered Development raten, sondern unsere feste Überzeugung, dass es keine sinnvolle Alternative gibt.
Wer also heute “Usability” sagt, kann ganz verschiedene Dinge meinen. Einerseits die Qualität an sich, andererseits Projekte (und Anbieter), die reichen von “Wir haben einen bei uns, der nochmal draufschaut und darauf achtet” bis zu “Unser ganzer Entwicklungsprozess ist auf den Einbezug der späteren User ausgerichtet.”
So weit die Ausgangslage für die Kommunikation. Siehe dazu auch den nächsten Beitrag Wie würde Seth Godin Zeix verkaufen?
Das hatte ich nur am Wochenende gesehen:
Ich möchte dem Autor Peter Maass zu seinem ausgewogenen, transparenten und verständlichen Bericht zum Thema der globalen Erdölreserven gratulieren und auch danken. Endlich wird der auf uns zukommenden Problematik – um nicht zu sagen Dramatik – auch in den allgemeinen Printmedien Raum gegeben. Hingegen muss ich einmal mehr feststellen, dass der Artikel kein Wort zum Thema Treibhauseffekt und Klimawandel enthält. Klar, der Text befasst sich mit der Frage der Reserven. Aber wie vielen Leuten auf der Erde ist eigent1ich klar, dass diese Frage nur eine von zwei untrennbar miteinander verbundenen Aspekten ist? Der anthropogen verstärkte Treibhauseffekt mit dem damit verbundenen globalen Klimawandel ist eine direkte Folge des gigantischen Verbrauchs fossiler Ressourcen. Die im Artikel von Peter Maass aufgeworfenen Fragen zur drohenden Energiekrise sollten also jeweils zusammen mit dem Aspekt des sich anbahnenden globalen Strukturwandels als Folge des Klimawandels besprochen werden. Klar können wir die Erdöl- und Gasreserven bis zum letzten Tropfen nutzen. Die Natur wird’s überleben. Zum Beschrieb der Auswirkungen auf die globalen Gesellschafts- und Wirtschaftsstrukturen hingegen fehlt uns – gemäss der Formulierung eines Berner Uni- Professors – schlicht die Fantasie. Ich frage mich, wann es für Politiker opportun wird, langfristig zu denken. Oder wäre da nicht sowieso deren Aufgabe?
Urs Grossenbacher, Murten
(1423 Zeichen)
Will mich nicht in das Subthema Länger verbeissen, aber der ist praktisch aufs Zeichen genau gleich lang wie unserer.
Seit Wochen fällt mir auf, dass mein Posting Neues Fernsehprogramm “Das Vierte” mit flashiger Website vom 29. September eines der meistgelesenen ist. Den Grund dafür zu finden wäre einfach gewesen, aber ich habe es erst heute kapiert, als ich mir im Statistik-Tool unter “Referrals” die “Search Phrases” angeschaut habe.
Die Top 6:
| # | Search Phrase |
Total Visits |
Das sind also die sechs Suchphrasen, nach denen mein Blog im Oktober via Google am meisten gefunden wurde (weiter unten kommen noch mal ein paar andere Schreibweisen). Es ist zu vermuten, dass diese Leute sich nicht alle für die Usability der Flash-Website des neuen “Vierten” interessierten, sondern eigentlich nur nach dem Programm suchten.
Das Problem: Bei den ersten drei Suchen ist mein Dokument der Top-Treffer in Google. HAHA. Nur bei der Phrase das vierte (mit oder ohne Anführungszeichen) ist wirklich der Sender ganz oben.
Was zeigt das? Gleich dreierlei:
Erstens haben die Typen, die die Website gebaut haben, wirklich nicht sonderlich viel Ahnung. Sie haben geschaut, dass sie bei “das vierte” gefunden werden, aber alle anderen Queries waren ihnen relativ egal.
Und zweitens liefert es, jetzt wieder aus der Sicht das Suchenden, ein weiteres Beispiel dafür, dass die Google-Regel 1 vom Apparatschik wirklich nicht sinnvoll ist. Wer drei Wörter eingibt, bekommt ein viel schlechteres Ergebnis als der, der zwei eingibt.
Schliesslich heisst es, dass rund ein Fünftel meines Traffics vermutlich versehentlich bei mir landet. Ja nun. Zum Glück nicht vier Fünftel.
Ein bisschen fehlen, wenn ich nicht noch schnell einen Hack mit einem Zählpixel mache, wird mir das schöne Statistik-Tool LiveStats. Das hat einfach immer diese ständig grösser werdenden Balken soo schön dargestellt:

(Ende April 2005 war irgendwie ein Messfehler, oder die Spiders sind durchgedreht. Ich hab in der Phase gar nicht gepostet.)
20% Wachstum pro Woche, möchte mal ein Startup machen, was sowas schafft, aber beim Umsatz. :-)
Der Artikel von Guido Mingels im “Magazin” des Tages-Anzeiger vom letzten Samstag hat mit seinen pointierten Aussagen für einige Diskussionen gesorgt.
Wir (Robert Stark, Peter Hogenkamp) haben dem Autor geantwortet, in unseren Blogs und per Mail, und wurden nun gebeten, als Replik einen Leserbrief für die Ausgabe vom nächsten Samstag zu schreiben (Ablieferung Freitagmorgen, max. 1000 Zeichen — das sei bereits “ein sehr langer Leserbrief”). Unsere Überlegungen dazu:
Die Einstiegsseite: http://nutzbar.jot.com/
Für uns ist das natürlich auch ein Experiment. Wie schnell, intelligent, kreativ, vielfältig ist denn nun die Online-Szene? Entsprechend sind wir sehr gespannt, was herauskommt. Bitte macht uns keine Schande durch Lethargie — die “andere Seite” würde sich nur bestätigt fühlen, dass Blogger nichts zu sagen haben. :-)
Und bitte: Weist auch in Euren Blogs darauf hin. Sonst ist die Zeit viel zu knapp. Danke.
Robert und Peter
Ist Inhalt in Print-Medien generell wertvoller als in Online-Medien? Können nur Journalisten ausgewogen argumentieren? Kommen die verlorengegangenen Zeitungsleser demnächst alle wieder? Schalten bald alle wieder ganz viel Print-Werbung? Können 60% der Erwachsenen sich irren? Haben Blogger einfach nur zuviel Zeit, aber nichts zu sagen? Schreibt Guido Mingels tendenziös?
(Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Neeein!)
vgl. http://www.dasmagazin.ch/
Schöne Grüsse von einem Fehlgeleiteten.
Selbst wenn man in der Schweiz viel Fernsehen schauen würde, deutsches Fernsehen, würde man vor lauter “Schweizer Fenstern” kaum je sicher sein, auch deutsche Fernsehwerbung zu sehen. Man denkt, sie ist deutsch, und dann kommt nach ein paar Minuten ein mundartlich synchronisierter Calgonit-Werbespot, und man weiss, es ist doch ein Schweizer Fenster. Ja, wenn ich richtig lippenlese, spricht sogar Jörg Kachelmann seinen hochdeutschen actimel-Werbespot auf Schweizerdeutsch nach.
Ich weiss nicht, ob VOX auch ein Schweizer Fenster hat, ich glaube nicht. Gestern kam jedenfalls dort eine Werbung, die sicher deutsch war, denn sie war von der NZZ (!), aber sicher für Deutschland. Denn sie warb für die Schweizer Sicht der Welt, von “einer der ältesten deutschsprachigen Zeitungen” oder so. (Sorry, hab ihn zum ersten Mal gesehen, kann mich nicht darauf verlassen, ihn jemals wiederzusehen, um es mir dann genauer zu merken.) Der Spot ging weiter mit der Vorstellung einer DVD mit fünf Episoden über Weine, die man telefonisch und/oder online oder so bestellen kann, weiss auch nicht mehr genau, der Preis war aber in Euro angegeben.
Und dann kam die URL: www.nzz.de. Die stach natürlich einem “Schweizer”, der zehn Jahre lang nur “nzz.ch” gelesen und getippt hat, richtig ins Auge.
Heute tippe ich also www.nzz.de ein, und ich muss sagen, da muss ich mich schon wundern. Ich hatte natürlich eine spezielle Version aus deutscher Sicht erwartet. Sowas wie die englische Version von Spiegel Online unter www.spiegel.de/international, nur halt nicht englisch. Seth Godin würde sagen, eine deutsche Linse (“lens”), also einer Art Filter auf dem Content von nzz.ch. Mit NZZ-Artikeln über Deutschland, da gibt es ja genug, einem Hinweis, wie man die NZZ in Deutschland abonnieren kann, und eigentlich auch noch irgendwo einem Banner oder Link zu dieser Wein-DVD oder zu der Edition.
Stimmt nicht. www.nzz.de macht einen Forward zu www.nzz.ch, daher ist überhaupt kein Byte anders. Das verstehe ich nun überhaupt nicht, wieso man dann überhaupt eine deutsche URL kommuniziert. Und die DVD mit dem Wein, nun ja, ich habe ungefähr fünf Minuten gebraucht, um sie zu finden, damit ich sicher weiss, dass ich das nicht geträumt habe; am Ende habe ich sie ziemlich versteckt in einer Liste gefunden. Wenn man nicht weiss, dass die Fernsehsendung “NZZ Format” heisst, wovon ich bei den meisten Deutschen ausgehe, dann wird es ganz schwer, fürchte ich.
Sorry. Wenn es kein Fehler ist, kapiere ich es nicht.