ZeixlogoGraue Linie

Agentur für Usability und User Education


Suche:


Hauptnavigation:

Seiten

Kategorien

Archiv

Feeds abonnieren

RSS-Feed, was ist das?

Startseite Kategorie: Das Volk

Wieso wird auf News-Sites nicht öfter kommentiert?

Langsam holen sie ja gegenüber uns Blogs auf, die grossen Websites, und erlauben wenigstens mal Kommentare. Im Juli schaltete die nicht ganz grösste, aber sicher wichtigste News-Website NZZ Online ihr Redesign auf, mit dem Feature, dass man jeden Artikel kommentieren kann.

Nur: Bisher wird noch sehr wenig kommentiert - unter den meisten NZZ-Artikeln gähnt uns eine blanke 0 an. (Nicht dass das bei vielen Blogs grundlegend anders wäre, aber die meisten Blogs haben auch nicht 5.7 Millionen Visits pro Monat.)

Zusammen mit der Netzwoche-Redaktion haben wir überlegt, woran das liegen könnte. Wollen die Leute nicht kommentieren oder können sie nicht? Gibt es vielleicht sogar Usability-Hürden?

Wir haben daher einen Test von grossen Schweizer News-Websites gemacht. Neben NZZ Online haben wir Blick Online und 20min.ch getestet - auch wenn die anderen beiden gar keine klassische Kommentarfunktion haben.

Die Antwort in Kürze: Es gibt auch einige Usability-Hürden, aber vor allem wollen viele Leute nicht kommentieren. Ich war nach den Interviews einigermassen schockiert, muss ich ehrlich zugeben - wenn man sich vor allem in Blogs bewegt, scheint einem etwas der Sinn dafür abhanden zu kommen, wie wenig von den anderen Leute da draussen zu ihrer Meinung stehen wollen.

Das haben wir auch fast genauso geschrieben. Hier der dreiteilige Artikel: «Leserbriefe schreiben doch nur Rentner und Nörgler».


Wehr währe mit h schreibt, ist… bald in der Mehrheit?

Man ist ja inzwischen schon ein bisschen abgehärtet in Sachen Rechtschreibung. Diese Antwort bekam ich heute morgen von einem Copyshop:

From: xxxxx
To: Peter Hogenkamp
Date: Aug 25, 2006 7:38 AM
Subject: AW: Druck A0

Guten Morgen Herr Hogenkampf
Die Produktionszeit beträgt ein Tag. Am besten währe eine PDF - Datei.
Die kosten währen 130.- Franken für den A0 Druck. Und 10.- Franken PDF - Filehandling (TIFF 15.- Franken)
Im Moment haben wir jedoch noch 20% Rabatt auf Posterprints.

Mit freundlichen Grüssen
xxx xxxxxx

Man zuckt etwas, aber man entspannt sich auch wieder. Die Hauptsache ist doch, er findet die grüne Taste auf dem Kopierer.

Nur neun Stunden später kommt aber der nächste h-Schock in einem Blog-Post daher, und das von einer Firma, bei der die Leute fürs Denken und Schreiben (!) bezahlt werden:

Gebährfreudige US-Amerikaner
25. August 2006 um 16:30
In den USA sind es 2,07 Kinder pro Frau, die dort geboren werden; damit ist die Zukunft der USA gesichert, wenn auch nicht der weissen Amerikaner. Die Schweizer Frauen haben nur Lust auf 1,42 Kinder pro Frau. Nur die Deutschen, die Spanier, die Italiener und die Polen liegen tiefer. Merke: Wenn die Schweizer Jugend für ihre Zukunft schwarz sieht, wird sie auch keine Kinder mehr wollen.

(Ob das ein sehr subtiles Wortspiel ist, das mit den “weissen Amerikanern” und später: “Wenn die Schweizer Jugend für ihre Zukunft schwarz sieht…”?)

Vielleicht hat der Autor ja gebährfreudig gegoogelt. Immerhin 513 Treffer. “Meinten Sie: gebärfreudig” wird allerdings vorgeschlagen, das hat dann zum Glück auch 2740 Treffer — aber, oje, das sind ja auch nur 5.3 mal so viel. Oder umgekehrt gesagt: 19% der Leute, die im Web schreiben, und das ist ja nur die Hälfte der Bevölkerung, und tendenziell nicht die weniger gebildete, denken, es heisst “gebähren”.

Bei nähmlich und nämlich ist das Verhältnis deutlich besser: Nur 1.7% schreiben die dämliche Variante — das alte Sprichwort aus der Schule tut wohl noch seinen Dienst.

Dennoch. Habe ich nur das Gefühl, sie seien uns auf den Fehrsen, die Rechtschreibindividualisten? Ich hoffe, wir sind zumindest noch für eine Generation schneller. Solange nicht “Hogenkampf” oder “gebohren am 11.11.1968″ auf meinem Grabstein steht, soll es mir danach egal sein.



www.zeix.com