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Wiwo: Erst kunden-, dann B&O-freundlich

Was ich also eigentlich über die “Wirtschaftswoche” schreiben wollte, und was noch nicht durch das Redesign überholt ist, war jenes: In der letzten Ausgabe hatten sie ja wie schon gestern gesagt diesen Usability-Artikel Bedienung: Hersteller hören auf ihre Kunden. Der war auch ganz interessant zu lesen (online allerdings nervt die Mini-Spaltenbreite immer neben dieser komischen Linksammlungs-Spalte). Und dann blättere ich, im Print-Heft, weiter, und kurz vor dem Ende kommt die Rubrik “fivetonine”, ist wohl die hippe Umschreibung von “Zeit in der man nicht arbeitet”. Normalerweise überlese sich diese Lifestyle-Goldcaddy-Herrenparfum-Seiten eher, aber Handys gucke ich natürlich an. Unter der Überschrift “Motorisches Falten” (hä?) war hier das “Produkt der Woche” ausgezeichnet: das “Serene” von Bang & Olufsen.


ganzer AusrissOnline-Text

Moment mal. Ein Handy mit kreisförmig angeordneten Tasten? Sorry, aber das hat doch nur vom Angucken schon “unbedienbar” überall über sich geschrieben, wie der Amerikaner sagen würde. Zitat aus dem redaktionellen Text: “Bang & Olufsen ist bekannt für schlichtes Design und einfache Bedienbarkeit. Auch das Klapp-Mobilteil soll dem Besitzer keine Rätsel aufgeben – wenn er sich mit den Besonderheiten vertraut gemacht hat.”

Hallo? Nachdem ich seit zwanzig Jahren Telefon-Tastaturen gewohnt bin, auf der die Nummern nebeneinander stehen, soll ich mich jetzt schnell mit der Besonderheit vertraut machen, im Kreis zu tippen? Ich hatte schon mal ein Nokia-Testhandy, mit dem ich jeweils drei Versuche brauchte, um die Nummer meiner Combox fehlerlos einzutippen. Nein danke. So ein dummes Geschwurbel. Wie kann man vorn schreiben, dass der Benutzer jetzt ernster genommen wird, und dann hinten so ein garantiert unbedienbares Produkt auf den Sockel heben? Danke, mir schon klar, dass das nicht dieselbe Person schreibt. Ändert nichts. Ich bin übrigens sicher, die Person, die darüber geschrieben hat, hat es nicht mal in der Hand gehabt, sondern einfach aus den Pressemitteilungen der Woche eine herausgepickt. Ich würde ihr (stelle mir vor, dass dieses fivetonine eine Frau macht, kein Sexismus) das Handy gern mal eine Woche als Ersatz für ihr eigenes geben und hören, ob sie es dann immer noch zum Produkt der Woche machen würde. Nicht? Tja. Das ist eben genau, was passiert, wenn es einem letztlich sch**ssegal ist, ob ein technisches Gerät irgendjemand bedienen kann. Die Journalisten sind da nicht viel besser als die Hersteller, auch wenn sie einmal im Jahr einen Usability-Artikel ins Blatt hieven.

Zum Glück gibt es inzwischen auch Leute von anderem Kaliber, die sich auskennen und kein Blatt vor den Mund nehmen. Das Serene war nämlich schon bei Engadget besprochen, und zwar in einem Posting und im zugehörigen engadget Podcast Nr. 47. Bei Minute 26:26 findet der folgende schönen Dialog statt, hier leicht gekürzt:

Block: “Ich wasn’t hoping from that story very much anyway, because Bang & Olufsen was involved who are known for their wacky designs.”

Rohas: “… and their the extremely high ended prices.”

Block: “I knew them first for their wacky designs, which makes their high extremely high end prices very laughable. And again they came out with a whacky design, on the ‘Serene’.”

Rohas: “This is one of the ugliest cell phones I have ever seen.”

Block: “(…) They’re gonna be asking a bloody fortune for it, and I cannot imagine somebody buying it.”

Rohas: “It doesn’t even look that stylish, it’s got that bad Philipp Starck thing on it. It’s like the part of the Eighties that noone likes. This is SO not the way to do it!”

Besser und erfrischender kann man es nicht sagen. Aber in Deutschland und der Schweiz gilt Bang & Olufsen ja immer noch als sowas von schick. Letztens war ich bei einer Hauseinweihung eines Neubaus, sehr stylish alles, und in jedem Raum hing irgendwo ein Bang & Olufsen-Fernseher rum, genauso wie diese ferngesteuerten Boxen, natürlich alles integriert ins Raumkonzept, hatte sicher alles der Architekt entschieden. Vermutlich kennen Architekten einfach nichts anderes.

So weit dazu. Und als ich das am Montag schnell bloggen wollte, fing meine Odysse über die Wiwo-Website (die von Anfang der Woche) an. Eigentlich wollte ich nur schnell nachschauen, ob die beiden Artikel verlinkt sind, aber das war alles andere als einfach. Das fängt damit an, dass zwar das Inhaltsverzeichnis online ist, aber man sieht nicht, welche Artikel zugänglich sind. Als ich gerade überzeugt war, dass der Usability-Artikel definitiv nicht online ist, jedenfalls war er nicht unter “Technologie”, und die Volltextsuche ging nur auf das kostenpflichtige Archiv, tauchte er plötzlich als Teaser auf der Homepage auf. Den Serene-Artikel habe ich erst gestern rein zufällig gesehen. Der Website-Chef sollte mal googeln, was “Use Cases” sind. “Artikel online wiederfinden, den man im Heft gelesen hat, z.B. um etwas zu zitieren oder einem Freund zu schicken”, wäre einer.

Zur seit gestern neuen Website gäbe es noch eine Menge mehr zu sagen. Sie ist anders und sicher auch an manchen Stellen besser, aber die schlimmsten Fehler machen sie leider weiterhin. Zum Beispiel die Volltextsuche, bei der sie jetzt den gleichen Fehler machen wie ihre Schwester Handelsblatt, wir berichteten bereits im September (ist allerdings dort noch schlimmer geworden mit einem MSN-Logo im Suchfeld).

Na ja, und dann sind da ja noch die Blogs, wie auch schon gestern im eMarket-Newsletter gelesen. Die will man jetzt stärker betonen.

Über die Site verstreut fällt der tolle Teaser auf:

Sagen Sie der Redaktion Ihre Meinung! Diskutieren Sie mit … in den WiWo Weblogs!

Die passende FAQ-Frage dazu wäre: “Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Blog und einem Diskussionsforum?” Die von der Wirtschaftswoche wissen das leider noch nicht. Denn in Blogs kann ja bekanntlich nur der Blogger ein Thema beginnen, daher kann ich als Leser “der Redaktion meine Meinung sagen” nur dann, wenn mein Thema schon mal per initialem Posting lanciert ist. Von denen die vier “Blogger” aber eher wenige machen. Denn zum Beispiel der “Blog” des Chefredakteurs Stefan Baron namens “Black Baron” (haha!) besteht genau aus seinen wöchentlichen Editorials. Ein paar Kommentare gehen ein, unterschiedlicher Natur, die “bloggenden” Redakteure beteiligen sich praktisch nicht an der Diskussion.

Ja, und dann ist da noch der RSS-Feed. Ich habe lange nach einem Link oder Button gesucht, aber auf der Site keinen Hinweis gefunden. Ich wollte von den Betreibern hören, ob das Absicht ist, mailte an die Redaktion (gestern Nachmittag), machte einen Kommentar im Technikblog von Sebastian Schulte (natürlich off topic, wie auch anders) — bisher keine Antwort. Immerhin, eine Google-Suche nach “RSS” auf “wiwo.de” zeigt, dass sie doch da sind, einfach sehr gut versteckt.

Nee, Wirtschaftswoche, so ganz ist es das noch nicht. Ihr habt es versucht, das ist ehrenhaft, aber ich empfehle mindestens einen weiteren Versuch.


Relaunch wiwo.de: alt und neu nebeneinander

Die deutsche “Wirtschaftswoche” hat heute ihren Webauftritt relaunched. Besonderheit: Man kann die alte und neue Version nebeneinander sehen. Eine gute Gelegenheit zum Vergleich. Mir ist es aufgefallen, weil ich die alten Seiten noch im Cache hatte, insbesondere den Usability-Artikel Bedienung: Hersteller hören auf ihre Kunden aus der letzten Ausgabe. Zu dem ich sowieso noch was schreiben wollte.

Alt:

Navigation im alten Auftritt:

Im alten Auftritt kann man weitgehend normal surfen; nur auf “HOME” darf man nicht klicken, das führt immer zum neuen Auftritt.

Neu:

Ebenfalls zum neuen Auftritt führt natürlich die Eingabe von www.wiwo.de.

Hier die dazugehörige Meldung aus dem eMarket-Newsletter:

‘WirtschaftsWoche’ relauncht Online-Auftritt
Ab dem 3. November erscheint der Online-Auftritt der ‘WirtschaftsWoche’ in neuem Design und mit mehr Inhalten. So sollen in der Rubrik ‘Menschen der Wirtschaft’ künftig Kurzgeschichten, Dossiers und Bildergalerien die Topmanager und Trendsetter der Wirtschaft vorstellen. Darüber hinaus werden in speziellen Themenkanälen wie über China und Automobile, Immobilien und Altersvorsorge, Business English und Fitness, Steuern und Benehmen im Job, Beiträge der Redaktion zusammengefasst. Parallel dazu wird die Redaktion regelmäßig Aktien empfehlen, Immobilientipps geben oder Ratschläge in Punkto Steuererklärung erteilen.

Auch die Rubrik Weblogs wurde weiter ausgebaut. Künftig sollen Redakteure und Korrespondenten vermehrt Online-Tagebücher zu Themen wie Konjunktur, Karriere, Lifestyle, Musik oder Automobile verfassen. Cartoons, Rätsel sowie Gerichtsurteile oder Services wie ‘Immobilie der Woche’ runden das neue Angebot ab. Neben der optischen und inhaltlichen Auffrischung von www.wiwo.de wurden auch das eMagazin und das PDA-Angebot verbessert. Der Relaunch wurde von der ‘WirtschaftsWoche’ inhouse entwickelt und umgesetzt.

Ehrensache, dass wir diese “Rubrik Weblogs” natürlich auch noch anschauen müssen.


Modert die Verlegerin schon?

Schon ein bisschen pietätlos, wenn Verlegerin Aenne Burda gerade mal einen Tag tot ist, und der Stern titelt schon von der “Moderverlegerin”:

(ganze Seite)

Wenn man dem Link folgt, stellt sich im Titel heraus, sie meinten, dass die “Modeverlegerin” Aenne Burda tot ist. Aber die URL ist noch falsch:


(ganze Seite)

Tja, das ist das doofe an der Syndizierung: Sobald man Enter klickt, ist es weg.

Ist mir just gestern auch passiert, als ich vor dem Posten im Titel den Vertipper “perviertiert” nicht bemerkte. Den Titel konnte ich schnell ändern, aber im Permalink sieht man es noch: …/perviertiert-wie-schlimm-sind-blog-formfehler.html. Wenn man den Fehler bemerkt, gibt es für die URL keine richtig gute Lösung mehr: Entweder ändern oder löschen/neu posten, aber in beiden Fällen kann die falsche URL schon bei den Leuten sein, die beim Klicken Fehlermeldungen bekommen.

Also lieber stehen lassen, ein bisschen ärgern, sich vornehmen, das nächste Mal besser aufzupassen.


1.5 Jahre Gmail und der Conversation View

Im Google Blog darf Paul Buchheit, Gmail Engineer, sich unter der irreführenden Überschrift Guess what just turned 34? zwei kurze Absätze lang darüber auslassen, dass das @-Zeichen diesen Monat 34 geworden ist (während man das genaue Geburtsdatum von E-Mail nicht festmachen könne; habe aber auch schon andere Versionen gelesen), dann aber eineinhalb Bildschirmseiten darüber, wie cool das von ihm entwickelte Gmail ist.

Die Geschichte, die er erzählt, klingt zwar leicht anders als die, die damals noch in dem (pre-blog) Press Release zu Gmail stand, aber macht ja nichts. Auch erwähnt er nicht den “20 Percent Time”-Hintergrund. (Zitat aus Google Jobs: “Google engineers all have ’20 percent time’ in which they’re free to pursue projects they’re passionate about. This freedom has already produced Google News, Google Suggest, AdSense for Content, and Orkut – products which might otherwise have taken an entire start-up to launch.” – bei diesen Beispielen ist Gmail auch nicht dabei.) Ehrlich gesagt habe ich nie geglaubt, dass Gmail wirklich in der 20 Percent Time entstanden sein könnte. Dazu ist es doch viel zu strategisch. Für diverse Dienste, die Google heute anbietet, brauchte man registrierte User, also brauchte Google sein eigenes Hotmail. Ich vermute, darüber haben schon letztes Jahr andere mit mehr Einsicht geblogt.

Was ich eigentlich sagen wollte: Ich hatte mich für Gmail schon lange registriert, nutze es aber erst seit dem Sommer wirklich intensiv. Und ich muss sagen, ich freue mich überhaupt nicht darauf, demnächst (wenn ich wieder jeden Tag richtig arbeiten gehe) wieder zurück auf ein “Profi-System”, in unserem Fall Lotus Notes, zu wechseln.

Die Features von Gmail sind ja inzwischen bekannt, denke ich. Damals beim Launch wurde immer nur über die neue Quota von 1 GB berichtet. Im nachhinein irrelevant, das haben andere flugs nachgemacht. Dann rückten eher die tollen AJAXereien in den Vordergrund, als man endlich ein Wort dafür hatte. Aber, wenn ich von den Features eins aussuchen könnte, das es vor allem ausmacht, ist es klar der Conversation View (Screenshot, nicht ablenken lassen von dem Werbequatsch rechts). Es klingt simpel — zusammen gehörende Mails (die von mir und von anderen) werden in der Inbox nicht mehr untereinander dargestellt, sondern wie eine einzige, deren einzelne Teile ich aufklappen kann — ist aber dann doch etwas komplizierter, weil es zunächst so anders ist: Bei der ersten Nutzung war es sogar ein Usability-Problem, denn ich habe nicht sofort kapiert, wieso meine Antwort und die Antwort des Partners plötzlich in derselben Zeile standen. Aber sobald man sich daran gewöhnt hat, will man es definitiv nicht mehr hergeben.

Hauptgrund ist meiner Meinung nach, neben der offensichtlichen Tatsache, dass zusammensteht, was zusammengehört: Der Bildschirm ist weniger schnell voll. Man glaubt es nicht, bis man es das erste Mal in Gmail vorgezählt bekommt, wie oft man in einzelnen “Threads” hin- und hermailt. Nehmen wir meine Mails der letzten Tage: 15 mal mit Roger und Raffael von Kaywa zum Thema DNS-Settings (Diskussion ist noch nicht abgeschlossen :-), 20 mal zum neuen Designtemplate von nutzbar.ch, davor auch schon 13 mal, 15 mal mit Robert Stark zum Leserbrief, 22 mal mit Sandra von der Netzwoche zum WLAN-Dossier (zu dem ich auch noch mal hier was schreiben muss). Und so weiter. Die meisten dieser Konversationen liefern jeweils nicht länger als einen Tag — das heisst, in jeder anderen Software hätten sie mir im Nu den Bildschirm vollgemüllt. Was dazu führt, dass eine unbeantworte Mail vom Morgen am Nachmittag schon etwa zwei Meter aus dem Bildschirm rausgerutscht ist.

Wenn das Deine Idee war, Paul Buchheit — danke.

Aber nun nochmal zu Gmail an sich. Wenn Ihr jetzt eineinhalb Jahre alt seid, wollt Ihr dann nicht mal mit dem albernen Invite-only-Zeug aufhören? Ein bisschen komisch sind diese beiden Passagen zusammen doch:

I’m proud of what we’ve done so far, and am excited about our future plans for Gmail. So celebrate how far email has come by joining its fun future. (Abschluss des Postings von Paul)

und im Gegensatz dazu:

2. Wie melde ich mich an? Wann erhalte ich ein Google Mail-Konto?

Wir bieten Google Mail derzeit im Rahmen einer Demoversion und eines eingeschränkten Tests an. Detaillierte Informationen zur weiteren Verfügbarkeit von Google Mail liegen noch nicht vor, da diese teilweise von den Testergebnissen abhängen wird. (aus der deutschen Gmail FAQ)

Was ich nicht wusste: Wenn man dieselbe Seite auf Englisch anschaut, steht dort etwas anderes:

2. How do I sign up?

You can get a Gmail account if you’re invited by someone who already has one. Or, you can sign up for an account using your mobile phone. Currently, we’re only able to offer this promotion in the United States, but we are working hard to make it available in more countries. (Quelle)

Das mit den Invites war am Anfang lustig, aber jetzt passt es einfach nicht mehr, sondern hält nur ein paar arme Leute davon ab, es endlich auszuprobieren. (Wer einen Invite will, kann sich jederzeit melden.)


Der Apparatschik von SpOn kann nicht richtig googeln

Eine noch nicht sehr alte Kolumne von Thomas Hillenbrand bei Spiegel Online trägt den leicht albernen Titel “Apparatschik”, Untertitel “neue Technik im Test”. Das zusammen mit dem Handy am Ohr im Header deutet darauf hin, dass es wohl meist um Gadgets geht. Nicht nur, auch um Websites, egal, ob die nun neu sind oder nicht. Den Artikel letzte Woche über personalisierte Nachrichtenangebote fand ich auch noch ganz interessant. (Hab nur leider vergessen, Findory jemals wieder aufzurufen. So wird das nichts mit der automatischen Personalisierung.)

Diese Woche nun ist Google dran, der Autor hat sich Googles zehn Gebote ausgedacht. Dass er denkt, es würde saukomisch, wenn er die in eine pseudobiblische Geschichte verpackt, na ja, vielleicht mögen es manche. Vermutlich wäre er gern so erfolgreich wie Bastian Sick, der das in seinem Zwiebelfisch auch immer macht; ich denke auch bei dem manchmal: “Komm zur Sache!”, aber ich mag seine Kolumnen trotzdem sehr, weil die Inhalte stimmen.

Das ist das Problem bei Hillenbrands zehn Geboten. Mehrere davon sind unexakt oder schlicht Quatsch.

1. Du sollst nie weniger als drei Begriffe eingeben

Suchmaschinen durchforsten Milliarden von Seiten. Je genauer Sie ihre Abfrage formulieren, umso weniger Treffer bekommen Sie und umso schneller gelangen Sie ans Ziel. Bei den meisten Suchdiensten können Sie bis zu zehn Begriffe auf einmal eingeben (drei bis fünf tun es auch). Wenn Sie keine relevanten Treffer bekommen, nehmen Sie wieder ein oder zwei Wörter weg.

Blödsinn. Thomas Hillenbrand, super Query, auf Platz 6 kommt er. Weblog Usability auch. Was sollte ich da als sinnvolles drittes Wort nehmen? Gut, wenn ich die Trefferseite gesehen habe, dann weiss ich es, aber vorher nicht.

2. Du sollst Artikel und Hilfsverben ächten

Wörtchen wie ist, werden oder der erbringen keine vernünftigen Resultate. Sie werden von den meisten Suchmaschinen ignoriert. Ausnahme: Das Vierte Gebot.

Stimmt. Merkt aber jeder schnell selbst. Da die Artikel von Google einfach ignoriert werden, bekommt man ausserdem dasselbe Ergebnis, als wenn man sie gleich weggelassen hätte.

3. Du sollst Nomen bevorzugen

Von ganz seltenen Spezialtermini abgesehen sollten Sie, wenn möglich, auf Verben verzichten. Mit Nomen (und manchmal mit Adjektiven) lassen sich gemeinhin bessere Resultate erzielen.

Weiss nicht, ist das so? Wäre mir bisher nicht aufgefallen. Das kommt vielleicht, wenn man auch nur nominal schreibt (was man ja nicht soll, wie jeder weiss). Blog erstellen scheint mir eine tadellose Google-Suche zu sein.

4. Du sollst “Phrasen in Anführungszeichen” setzen

Wenn Sie Hamlets berühmten Dialog suchen, ist die Abfrage sein oder nicht sein wenig Erfolg versprechend. Suchen Sie stattdessen nach der ganzen Phrase, indem Sie Anführungsstriche verwenden: “sein oder nicht sein”.

(Meint er den berühmten Dialog oder Monolog? :-)

Stimmt. Ist aber oft nicht soo wichtig. Wie unsere Usability-Tests oft zeigen, ist die Phrasensuche ist übrigens eine der wenigen Suchtechniken, die auch ansonsten wenig Internet-versierte Personen beherrschen.

Die Phrase findet man allerdings häufig auch ohne Anführungszeichen. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins und “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins” liefern praktisch dieselben Treffer, nur ab Position 3 in leicht anderer Reihenfolge. Klar, es lassen sich andere Beispiele finden, wo es einen grossen Unterschied macht. Aber wie gesagt, da sind die User mal im Boot.

5. Du sollst Wörter gebrauchen, die Du in Deinen Ergebnissen zu finden erwartest

Denken Sie zunächst kurz darüber nach, was für Begriffe auf Ihrer Zielseite vorkommen könnten. Wenn Sie die Homepage von Kanzler Schröder suchen, geben Sie nicht Gerhard Schröder ein, sondern zum Beispiel Gerhard Schröder Bundeskanzler SPD Hannover.

Ganz wichtige Regel! Sage ich meinem Vater auch immer. Überleg, was auf der Seite, die Du suchst, stehen könnte. (Mal etwas lebensnäher formuliert als alttestamentarisch.) Er hat mal stundenlang mit “Rügen, Insel, Urlaub, Unterkunft” rumgemacht, anstatt nach “Ferienhaus Rügen” zu suchen, was er eigentlich wollte. Darüber sollte man mal eine ganze Kolumne schreiben.

Aber jetzt kommt ja noch das Beispiel. Nicht Gerhard Schröder, sondern Gerhard Schröder Bundeskanzler SPD Hannover. Hm. Schon mal was von Link Popularity gehört? Hier wird hinten wieder eingerissen, was er vorn mit der guten Regel aufgebaut hat. Und er hat das Beispiel offenbar nicht mal ausprobiert. Gerhard Schröder führt zu exzellenten Ergebnissen, zuerst die offizielle “private” Website gerhard-schroeder.de, dann bundeskanzler.de, dann etwas recht Dünnes, ein kontextloser Frame vom Deutschen Historischen Museum, dann Schröders Eintrag bei Wikipedia. Besser kann man es doch gar nicht treffen! Zwei davon kommen auch bei Gerhard Schröder Bundeskanzler SPD Hannover, leider aber das doofe Museum zuoberst, dann zum Glück Wikipedia — aber die Ergebnisse sind eindeutig schlechter, wie man schon daran sieht, dass auf Platz 6 eine Klassenarbeit über Schröders Biografie kommt. Hillenbrand: nachsitzen!

6. Du sollst die Syntax des Heiligen Boole (AND, OR, NOT) in Ehren halten und sie stets GROSS SCHREIBEN

Benutzen Sie so genannte Bool’sche Operatoren. Wallace AND Gromit durchsucht nur Seiten, in denen beide Namen vorkommen. Wallace OR Gromit findet Seiten in denen einer von beiden vorkommt Wallace -Gromit findet Wallace-Seiten, auf denen Gromit nicht erwähnt wird (einige Suchmaschinen akzeptieren statt dem Minuszeichen ANDNOT oder NOT). Schreiben Sie die Operatoren immer groß – manche Suchmaschinen erkennen sie sonst nicht. Wenn Sie keine Operatoren verwenden, nehmen Google, Yahoo und MSN an, dass alle Begriffe mit AND verknüpft werden sollen.

Grundgütiger! Der allerschlimmste von den 10. Es ist doch genau eines der grossen Verdienste von Google, dass sie diesen Boole-Quatsch, mit dem AltaVista die Leute gequält hat, den aber niemand kapiert hat, endlich abgeschafft haben. 99% der User machen nur AND-Verknüpfungen. Welcher normale Mensch würde jemals nach “Ferien AND (Spanien OR Portugal)” suchen? Kein Mensch. Die Leute machen für OR mehrere Abfragen hintereinander. Alle andere ist Informatikerdenke, und gute Systeme liefern auch dem gute Ergebnisse, der davon nichts wissen will.

7. Du sollst alles andere klein schreiben

Der Übersichtlichkeit halber schreiben Sie am Besten alles außer der Suchsyntax klein. Viele Suchmaschinen unterscheiden nicht zwischen Groß- und Kleinschreibung. Bei den wenigen, die es tun, gehen Ihnen ansonsten vielleicht Treffer durch die Lappen.

Was für ein Durcheinander. Viele Suchmaschinen, wenige Suchmaschinen? Ich denke, wir reden von Google? Was auch die meisten ausschliesslich benutzen. Da ist Gross- und Kleinschreibung egal. Also einfach weglassen. Ist halt doof, dass man auf zehn kommen muss, um das Moses-Ding durchzuziehen.

8. Du sollst auch die ehrwürdigen Verzeichnisse befragen

Wenn Sie wissen wollen, wer Präsident der Elfenbeinküste ist oder wann Mozart dahinschied, sollten Sie nicht unbedingt Google befragen. Gehen Sie lieber zu Wikipedia.de, Answers.com oder nehmen Sie den guten alten Brockhaus zur Hand. Das geht meist schneller.

Dass Wikipedia oft der beste Anfangspunkt ist (und sicher schneller als der Brockhaus, wenn man vor dem Computer sitzt) würde ich durchaus unterschreiben. Allerdings findet man nicht ganz zufällig auch die Wikipedia-Einträge oben in den Google-Trefferlisten.

Die Google-Suche Präsident Elfenbeinküste liefert übrigens tadellose Ergebnisse. :-) Trotzdem, ich würde auch zu Wikipedia, weil man nicht weiss, wie aktuell die besten Google-Treffer sind.

9. Du sollst andere Suchmaschinen haben neben mir

Warum benutzen Sie immer nur Google? Gucken Sie auch immer nur ARD? Lesen Sie ausschließlich SPIEGEL ONLINE? Fragen Sie niemanden außer Ihrer Mutter um Rat? Na also. Vielfalt ist Trumpf, geben Sie zumindest den anderen Erstligisten wie Yahoo, MSN und Teoma auch mal eine Chance.

Den anderen “auch mal eine Chance geben”? Welche Art Argument ist das? Eins, wie wenn Uli Hoeneß gefragt wird, ob man nicht auch mal jemand anderen Meister werden lassen sollte? Wenn schon, müsste man es anders formulieren. Wenn man bei Google nicht fündig wird, kann man ja auch mal eine andere, z.b. eine Meta-Suchmaschine ausprobieren. Aber bitte nicht aus Mitleid mit Yahoo und MSN.

10. Du sollst auch der Auskunft und dem Telefonbuch huldigen

Jetzt haben Sie sich wieder fünf Minuten totgegoogelt, um zwecks Tischreservierung die Homepage des örtlichen Peking-Restaurants zu finden. Typischer Fall von Googleitis! Mal Hand aufs Herz: Glauben Sie nicht, dass ein Anruf bei der Auskunft Ihr Problem schneller gelöst hätte?

Grundsätzlich stimme ich überein. Man sollte sich nicht verbeissen, manchmal ist es wirklich schneller auf anderen Kanälen. Aber bei den meisten Call Centern bin ich echt froh, wenn ich sie umgehen kann, und die Telefonauskunft schlage ich an jedem Tag der Woche.

Noch eine nicht unwichtige Fussnote. Ein wenig ernüchternd ist es auch, wenn man sich ansieht, wie die deutsche Bloggerszene den Artikel aufnimmt. Ein “Trackback” via Technorati führt im Moment zu 20 Treffern, vermutlich kommen in den nächsten Tagen noch 50 dazu. Kein einziger davon hinterfragt die Regeln (Ausnahme: die letzte) sondern alle setzen im Wesentlichen einen Link und schreiben Nichtigkeiten wie “Ich musste mehr als einmal schmunzeln” oder “Lohnt sich zu lesen”. Hallo? Bloggerszene? Bloggen ist nicht nur Links setzen. Wirst Du am Ende doch gnadenlos überschätzt?


Web 2.0 ist, wenn es nur ganz kurz gratis ist

Wir haben ja dieses Diskussionsforum bei nutzbar.jot.ch, in dem auch schon einiges gelaufen ist. Ehrlich gesagt, ich habe mir die Frage “Kostet das was?” überhaupt nicht gestellt, als ich das am Mittwoch aufgesetzt habe — Hauptsache, es ging einigermassen schnell (ging es wirklich).

Heute bekomme ich nun diese Mail:

Von: Eugene Levitsky

An: peter.hogenkamp [ät] gmail.com

Datum: 20.10.2005 17:03

Betreff: Your JotSpot Account Usage

Dear Peter,

Your JotSpot web space has 22 users and 31 pages, which exceeds the limit of your Personal plan.

Perhaps you would be better served by one of our other plans, which you can select from your admin dashboard at http://nutzbar.jot.com/System/Pages/AccountDashboard.

We look forward to having you join us as a subscriber and thank you for your continued use of our service.

Regards,

Eugene Levitsky

JotSpot, Inc.

+1-650-320-9300 x117

New from JotSpot: www.JotLive.com

Stimmt, hatte ich wie gesagt nicht realisiert, war auch noch nie auf dieser Dashboard-Seite, wieso auch… :-)

Da fragt man sich natürlich sofort, wie denn so der Eskalationspfad bei Nichtzahlen ist, und am besten fragt man gleich Eugene:

Yeah, good idea. :-)

I will purchase it later today.

Will any users be kept from creating new documents? The discussion we’re hosting is sort of time-critical.

Peter

Antwort, nach 9 Minuten (sehr flott):

Later today every page will include a system warning message, but you can still use the web space. If you don’t reduce your usage to meet the plan limits or upgrade for another week, we will take your web space off line. Incidentally, we are running an annual plan promo through Friday. Our Mini plan (20 users / 250 pages) is $79 annually (normally $99) and the Team plan (40 users / 750 pages) is $149 (normally $209).

Regards,

Eugene

Ganz schön zackig. Wohlgemerkt, ich will das gar nicht kritisieren. Sie bieten da ja etwas an, etwas Werbefreies, wenn ich das intensiv nutze, sollte ich auch zahlen. Was ich jetzt gleich auch machen werde.

Man beachte nur den erheblichen Unterschied zu Web 1.0 im Jahr 1997. Damals hätten sie erstmal nur User gebolzt, weil jeder, der irgendwas auf der Plattform macht, auch auch nur dran zu denken, jemals etwas zu zahlen, den Wert der Firma gesteigert hätte. Heute schickt man die Rechnung nach zwei Tagen, und wenn man nicht zahlt, tschüss. Das Ergebnis: Es funktioniert.

Update

So sieht die Quittung aus. Ich finde diese Mails und Webseiten, die eine Person als Absender haben, ziemlich gut. Wenn man sich Sachen von hier im Vergleich dazu anschaut, “Sehr geehrte Damen und Herren”, und dann zwar auch ein Dank, aber in so einem Behördendeutsch (Deutschland noch schlimmer als Schweiz), schliesslich “Mit freundlichen Grüssen, Ihre ABC AG, info@abc.de” — so ist’s doch deutlich besser:

Peter, thanks for upgrading

Your account is now on the Team plan.

We want you to love this product and we’re always here to help.

Ask us a question, let us know what can be improved, leave us feedback. Get to our JotSpot community forums by clicking the “Leave Feedback” links in the right-hand toolbar.

If you have any questions about billing or your account please contact me.

Click here to return to your JotSpot.

Best regards,

Jim

jim@jot.com

Letzter Update: Eugene hat mir gleich wieder gemailt, ich solle doch bitte auf einen Annual Plan upgraden. Auch da nennen sie die Dinge beim Namen: “We are currently running a special promotion to upgrade our monthly subscribers to annual plans. Annual subscriptions are less costly for us to bill and service and we would like to pass more of our savings on to you.” Fair enough. Das mache ich jetzt aber trotzdem nicht.


“Begriffsklärung” bei Wikipedia

Ich bin immer wieder beeindruckt, wieviel Gedanken sich die Community bei Wikipedia zu allem möglichen macht.

Meine Kollegen bei Zeix bauen gerade ein Kantonsportal neu und haben mich um Feedback zu einer Seite gebeten, in der der User gebeten wird, einen Begriff aus dem Index näher zu spezifizieren:

Informationen zum Thema «Wasser»
Bitte grenzen Sie den gesuchten Begriff näher ein:

Abwasser, Gewässerschutz, Grundwasser, Trinkwasserkontrolle, Wassernutzung, Wasserstände, Wassertemperaturen, Wasserversorgung.

Mir fiel dazu ein, dass es bei Wikipedia diese “Begriffsklärungen” gibt. Ich wusste auch, dass es dabei unterschiedliche Varianten gibt, habe mich aber nie darum gekümmert, wie diese genau funktionieren. Jetzt habe ich es nachgelesen.

Wenn man nach “Europa” sucht (http://de.wikipedia.org/wiki/Europa), kommt der Artikel über den Kontinent Europa. Weil die meisten Leute sich eher dafür interessieren werden als für die kleine Griechin, die Zeus als Stier verführt hat, oder für das Dutzend andere Bedeutungen. Die Begriffsklärung ist aber verlinkt.

Wenn man dagegen nach “Note” sucht (http://de.wikipedia.org/wiki/Note), kommt man direkt zur Begriffsklärung, weil es unter den sechs Bedeutungen keine dominante gibt.

Und weil sowas ja alle Wikianer verstehen müssen, haben sie es genau dokumentiert. Sie haben sogar die Regel quantifiziert: “Ungefähr ab einem Verhältnis von 1:10 ist im Allgemeinen Modell II angebracht. In anderen Fällen ist Modell I vorzuziehen.”

Manchmal finde ich diese Exaktheit ja ehrlich gesagt etwas penetrant. Aber selbst ich als alter Freund des Beckenbauer’schen “Schaun mer mal” sehe ein, dass es eigentlich keine Alternative gibt, wenn man es richtig machen will. Daher: Hut ab.


Übersetzung ungleich Regionalisierung

Habe bei Bloglines erst vor ein paar Tagen, als ich es remote einem Westschweizer demonstrierte und ihn dabei auf Französisch registrierte, bemerkt, dass man es ja auch auf Deutsch umstellen kann. Habe ich nun gemacht, sieht noch etwas ungewohnt aus. “Hinzufügen” ist halt auch unmöglich lang im Vergleich zu “Add”.

Lustig wird es beim Wetter. Eine Content-Art übrigens, die alle Newsanbieter seit den ersten Tagen wie wild pushen, vielleicht weil sie sich freuen, etwas einfach Personalisierbares zu haben, die mich aber nie interessiert, weiss auch nicht wieso. Eine Mutter von einer Ex-Freundin schaltete die (ARD-)Tagesschau immer erst um 20.12 Uhr ein, um nur die Wettervorhersage zu schauen. Ich empörte mich still, weil ich fand, absichtlich die Nachrichten nicht zu schauen sei ein staatsbürgerliches Vergehen. Ich selbst schalte umgekehrt jeweils beim Wetter ab. Erstens bin ich nicht in Deutschland, und zweitens ist es im Fernsehen sowieso zu ungenau, dazu sind die Distanzen ja viel zu gross. (Deswegen finde ich auch den “World Weather Forecast” auf CNN immer so absurd. “And now let’s have a look at the Australian continent.”) Auch lustig finde ich es immer, wenn meine Mutter (700 km entfernt) fragt, was für ein Wetter wir haben, und dann sehr verwundert tut, wenn es bei uns anders ist als bei ihnen. Wenn ich wissen will, wie das Wetter wird, schaue ich im Internet die Vorhersage für meinen Ort. Nur will ich es irgendwie nur ganz selten wissen. Aber da bin ich sicher in der Minderheit. Die Einschaltquoten für Meteo und so sind ja bekanntermassen hoch.

Das alles heisst nicht, dass ich online das Wetter nicht personalisieren würde, sobald ich ein Feld dafür sehe. Bei netvibes schaue ich sogar auf meiner derzeitigen Browser-Startseite mitten in der Mitte des Bildschirms auf das hier:

Strahlender Sonnenschein also. Hm, leider sehe ich vor lauter Nebel keine hundert Meter weit. Ob es daran liegt? Nein.

Also, endlich, Bloglines… Da steht also nun auf Deutsch:

Neu bei Bloglines
Geben Sie Ihre
Postleitzahl ein:
(Eingabefeld)
(komische nicht verlinkte Icons) (Button “Wetterbericht”).


OK, ich denke still: “Wissen die eigentlich irgendwoher, dass ich in der Schweiz bin?”, gebe aber hoffnungsvoll “9008″ ein. Ein leerer Feed wird angezeigt. Aha, dann heisst wohl deutsch = Deutschland. Ich gebe “32758″ ein, die Postleitzahl meiner Eltern. Jetzt kommt was: “Wettervorhersage für Birchwood, WI”. Super. :-) Gegenprobe: “10013″, meine Postleitzahl in New York von 1997, geht natürlich anstandslos.

Tja. In diesem Fall macht die Übersetzung den Inhalt also nicht besser, sondern schlechter. Beim Original “Enter your zipcode – Get weather” hätte ich mir die vergeblichen Versuche gespart. Das heisst folgerichtig, dass die einzig richtige deutsche Übersetzung lautet: “Geben Sie einen US-Zipcode ein.”

Merke: Übersetzung ist nicht das gleiche wie Regionalisierung, sonst macht man implizit ein Versprechen, das man nicht einlösen kann. Schade drum, wenn dieser Content dann später mal hinzugefügt wird — man wird einen Extra-Kommunikationsaufwand brauchen, um den Eindruck, es gäbe ihn nicht, wieder rückgängig zu machen.


Sonderpreis für die schlechteste Navigations-Innovation Checkbox

Es gibt nicht nur einen Weg, wie man eine Web-Navigation bauen kann. Da sind verschiedene Philosophien, verschiedene Arten, was man anzeigt, was wann aufspringt, sich wann wieder schliesst, verschiedene Auszeichnungsarten der aktiven Seiten und so weiter. Aufgrund des evolutionären Charakter des Webs kann man nicht immer genau sagen, was am besten ist. Durchaus kann es auch Innovationen geben: Lösungen, die man so noch nicht gesehen hat, die aber intuitiv verständlich sind und daher gut funktionieren. (Mit dem ganzen Ajax-Zeug sind wir da sogar gerade in einer hochaktiven Phase — die allerdings noch nicht richtig in Europa angekommen ist.)

Das alles heisst aber umgekehrt nicht, dass man nicht zu diversen Umsetzungen ganz klar sagen könnte: “Das ist falsch. Das ist unlogisch, das ist verwirrend; das kann man so nicht machen.” Auch dabei gibt es wiederum alte und neue Fehler.

Die neue Stiftung mit der neuen Website KMU-next, die sich der Nachfolgeproblematik in KMUs widmet und am 6. Oktober gelauncht wurde, scheint sich im ständig laufenden virtuellen Wettbewerb in zwei Disziplinen um einen Preis zu bewerben: “meiste Fehler in einer Navigation” und “schlechteste Navigationsinnovation”.

Die Fehler sieht man schnell. Der Navigationsbalken verbreitert sich plötzlich selbst, trotzdem sind die meisten Begriffe der untersten Ebene abgekürzt, und zwar wurde durchaus bin den sinntragenden Teilen gekürzt (“Das richtige…” — wäre noch gut zu wissen, welches richtige gemeint ist). Wenn man auf einen Hauptnavigationspunkt klickt, passiert etwas ganz anderes, als wenn man auf das “+”-Zeichen davor klickt. Diese Aufzählung ist nicht vollständig, aber soviel zu den alten Fehlern.

Die Krönung der neuen sind natürlich diese Checkboxen, um die aktive Seite in der Navigation anzuzeigen. Das habe ich nun wirklich noch nie gesehen. Auch für dieses Thema gibt es verschiedene gute und weniger gute Umsetzungen, aber diese ist wirklich einzigartig schlecht. Man kann sogar die Checkbox “abklicken”, natürlich ohne dass sich dadurch etwas ändern würde. Mit ein bisschen Suchen habe ich sogar eine Seite Mitgliedschaft gefunden, die gleich doppelt aktiv ist, siehe Screenshot. Natürlich, das Problem, dass Inhalte an mehreren Stellen in der Navigation untergebracht werden sollten, hat man immer wieder, aber zwei wirklich aktive Seiten können nicht die Lösung sein.

Update vom 13.11.2005: Die Navigation wurde inzwischen leicht angepasst. Die Checkboxen in der Navigation sind nur noch im Screenshot oben zu sehen, auf der Live-Site nicht mehr. Die Seite Beitrittserklärung ist allerdings immer noch “doppelt aktiv”.

Und es ist nicht nur die Navigation. Der Link “Anmeldung” ist wieder ein Beispiel für die neverending story, wie man “Register” und “Login” übersetzt, vgl. Was heisst hier “Anmelden”? , hier aber noch verschärft, weil man sich überhaupt nicht registrieren kann, jedenfalls sehe ich nicht wo. Die Darstellung der Suchergebnisse ist minimalistisch-bizarr, schon wieder ein Beispiel für “Man kann es auf verschiedene Arten machen, aber diese gehört nicht dazu”. Dann verwechselt man wieder Links und Buttons, diesmal andersherum als meistens, indem der Link “herunterladen” als Button dargestellt wird, auch s. Screenshot. Und schliesslich erhalte ich mindestens bei jedem fünften Seitenaufrauf einen undefinierten Zustand.

Im Impressum steht unter “Technik” nur schlicht www.butler.ch und www.xml.ch. Bei letzterem stellt sich ein Pascal Faivre als “Internet-Pionier” vor und verspricht “Freiheit im Umgang mit Information”.

Update vom 13.11.2005: Der Link zu www.xml.ch wurde im Impressum entfernt.

Alles schön und gut, aber nur mit Freiheit ist es nicht getan, wie auch schon andere gesellschaftliche Gruppierungen in der Geschichte erfahren durften: Man muss auch und gerade in Freiheit weiterhin nachdenken.


Deutscher Internetpreis (Folge 0: die Nominierten)

Sechs Firmen sind für den “Deutschen Internetpreis” nominiert. Hatte ehrlich gesagt noch nie etwas davon gehört, ist wohl die erste Durchführung. Gelesen im eMarket-Newsletter unter Sechs Kandidaten für den Deutschen Internetpreis, aber die sind mal wieder unwired genug, zwar die Nominierten aufzuzählen, aber sie nicht mal zu verlinken.

Zum Glück gibt es eine offizielle Website www.internetpreis-deutschland.de. (deutscher-internetpreis.de war schon weg, dumm gelaufen, dann hätte ich den Preis ja eher gleich genannt wie die Domain, aber das lassen sich wahrscheinlich wichtige Leute vom BMWA (das von der neuen Regierung jetzt eh wieder aufgespalten wird, mal sehen, ob der Preis es überlebt) nicht so einfach bieten! Das erinnert mich an eine Diskussion, von der mir mein New Yorker Freund Bob etwa 1996 berichtete. Der US-Einzelhandelskonzern “A&P” (gehört zur deutschen Tengelmann) wollte die Domain “a-and-p.com” reservieren. Die war aber schon weg. Tenor im Management Meeting: “Let’s use it anyway!” Tja, sie haben sich dann doch noch von Bob überzeugen lassen, dass das nicht geht und halt aptea.com genommen, was zum offiziellen Namen “The Great Atlantic & Pacific Tea Company, Inc.” passt, aber nicht so gut zum allgemeinen Sprachgebrauch.)

Jedenfalls, auf der Preis-Website heisst es: “Der Deutsche Internetpreis richtet sich speziell an kleine und mittlere Unternehmen und wird für überzeugende und innovative Internetanwendungen vergeben, die besonders zu einer Steigerung des Umsatzes, zu Kosteneinsparungen oder zur Vereinfachung von Geschäftsabläufen dienen.” Ist doch prima. Machen wir so ähnlich, ausser dem KMU-Fokus, bei Best of Swiss Web in der Kategorie “Business Efficiency”, Präsident dieser Teiljury ist seit Jahren Ralf Wölfle von der FHBB.

Gucken wir also mal, was die Deutschen so in Sachen Effizienz machen. And here are the nominees:

Ich kenne bisher nur eine einzige dieser Websites, nämlich Spreadshirt. Die sechs könnten wir uns doch nächste Woche mal der Reihe nach angucken. Natürlich werden bei mir die Bielefelder gewinnen, weil ich dort geboren bin und meine letzten beiden Jahre in Deutschland (1988-90) verbracht habe. Mal sehen, ob ich das hinmauscheln kann, so dass es keiner merkt, der die Postings nur via Google über den Firmennamen findet.


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