Agentur für User-Centered Design
Gestern ist es gekommen, das Päckli. Es liess sich über eine Lasche einfach öffnen, so dass ich den Inhalt gleich vor mir sah. Ein Aufkleber warnte mich vor der ersten Missetat – die ich schon im Begriff war auszuführen – und verweist mich auf die Anleitung. Ich nehm meinen ganzen Mut zusammen und entschliesse, mich der Herausforderung zu stellen.
Die Anleitung ist kurz, Schritt für Schritt aufgebaut und kommt ohne Worte aus. Allfällige Fehlhandlungen sind ebenso bildlich dargestellt, wie die korrekte Ausführung. Das System ist total ausgeklügelt und intuitiv zu bedienen. Die Anleitung bietet optimale Unterstützung. Absolut reibungslos arbeitete ich mich Schritt für Schritt mit dem mitgelieferten Werkzeug durch und wurde dabei immer stolzerfüllter. Nach nur 15 Minuten bestaunte ich das fertige Werk.
Und nein, ich habe kein Apple-Produkt gekauft. Und nein, ich war auch nicht bei Ikea. Ich musste an meinem Dachfenster einen Velux-Sichtschutzrollo montieren.
Und ganz ehrlich: Ich habe nach diesem Erlebnis irgendwie eine gute Beziehung zu meinem Sichtschutzrollo und finde die Velux total gut.
Das kann gute User Experience bewirken!

Das iPad: so schön, es immer mit dabei zu haben. Ich kann damit z.B. prima surfen, meine Mails und die letzten Facebook-Updates checken und – lesen. Zum Beispiel meine Neuerwerbung «Der Zauberbund» aus der Saga vom Eisvolk:
Eines Abends im Spätherbst des Jahres 1581, als sich am Himmel über Trondheim Eisnebel mit blutrotem Feuerschein … meine Güte, wo ist denn Trondheim, mal schnell googlen … vereinigte, irrten zwei Frauen durch die Strassen, ohne etwas voneinander zu wissen. Die eine war Silje, ein kaum 17-jähriges Mädchen mit Augen, die vor Einsamkeit und Hunger … plim: Bodo K. folgt dir jetzt auf Twitter … also die vor Einsamkeit und Hunger gross und verständnislos in die Welt schauten. Sie wich in der engen Strasse einer Leiche aus. … plim: «NZZ online – Eilmeldung: Kongolesischer Rebellenführer in Den Haag verurteilt» … Noch ein Opfer der Pest, dachte sie bei sich. … piep piep: nicht vergessen: DH-Termin morgen um 8.00 Uhr … Ich gebe auf!
Da kann ich dem New-York-Times-Artikel, der in der Tagi-Beilage vom Montag zitiert war, nur zustimmen. Scheinbar eignet sich eben ein Tablet à la iPad bzw. der dort erwähnte Kindle Fire doch nicht so doll zum Lesen. Zum Glück kann man das ändern – wir brauchen einfach einen Extra-Button, der automatisch alle Pop-ups und Push-Meldungen verbirgt, wenn wir ein Lesestündchen einschalten. Der müsste dann ungefähr sowas aussagen:
Lesesaal. Ruhhhe! Nicht laut sprechen, Mobiltelefone aus, kein Rennen, kein Chipstüten-Rascheln.
Genau so einen Button fordere ich im Namen von Zeix (… und des Eisvolks) ! … Und diejenigen, die am Desktop mal eine Stunde ungestört arbeiten wollen, dürfen sich gerne anschliessen :-). Hier schon mal ein Designvorschlag:
iPad mit Lesesaal-Funktion
Seit einiger Zeit muss ich mich in regelmässigen Abständen fragen, wieso ich so häufig im Web auf Tag Clouds stosse. Egal ob auf Bundesseiten, Grossverteilerwebsites oder Dienstleisterportalen, Tag Clouds sind überall zu finden und wollen mir empfehlen, wonach ich suchen soll. Ich behaupte die Suggest-Funktion ist die bessere Hilfe zur Suche. Ich muss nur ein paar Buchstaben eintippen (gerade für iPads & Co. sehr bequem), um klickbare Vorschläge zu erhalten.
Für mich sind Tag Clouds:

Tag Cloud bei Alpha : ist jetzt «Stellensuchende» am häufigsten gesucht oder hat die meisten Einträge?
Zu wenige Begriffe in der Tag Cloud auf der Produktseite von Netcetera
«Catch me if you can»: Tag Cloud bei den Suchresultaten auf Postfinance.Liebe Leser, wie sieht es mit Eurem Nervfaktor aus, wenn ihr auf Tag clouds stosst? Oder seht ihr das ganz anders?
Immer wieder bzw. dann jeweils eben «scho wider!» ärgern wir uns bei Zeix über falsch eingesetzte Interaktionselemente. In loser Reihe berichten wir von nun an in dieser Rubrik darüber.
Und «scho wider» wurde ein Schieberegler schlecht eingesetzt:
Einige deutsche Rechtsbibliotheken bieten für die Einschränkung der Publikationen nach Zeitraum einen Regler an.
Der sieht dann so aus:
Nach Klick auf den Button links dann so:
Entsprechend schwierig wird es, einen kleinen Zeitraum in der Gegenwart auszuwählen. Gerade noch sichtbar ist 1992:
Ein linearer Regler ist das falsche Interaktionselement für grosse Zeiträume. Denn der häufige Use Case der Recherche nach neuster Literatur wird so verunmöglicht. Den könnte man natürlich auch über die Sortierung abfangen (absteigend chronologisch), aber die ist hier auch nicht per Default ausgewählt.
Passender ist ein massgeschneiderter Filter wie im Beispiel unten. Obschon hier die nächste Usability-Sünde lauert: Die Zeiträume wurden sicher eher nach den Bedürfnissen der Bibliotheken denn nach denen der User definiert.
Und wie alt ist nicht mehr jung? So lauteten zwei der Fragen im aktuellen Eurobarometer zum aktiven Altern. Denn unter Alter wird nicht einmal europaweit das Gleiche verstanden: So gelten Holländer mit 70 als alt, während Deutsche schon ihre 60-jährigen Landsleute als alt bezeichnen. Während man in Deutschland mit 38 Jahren nicht mehr jung ist, gilt man bei den Zyprioten und Griechen wohl noch bis 50 als grün hinter den Ohren.
Die Wahrnehmung vom Alter und was man wann tut oder nicht mehr tut war auch ein Thema in unserer Studie über 60-75jährige in Online Communities, die ab heute zum Herunterladen bereit steht.
Am Wochenende habe ich mal wieder die Nähmaschine meiner Mutter hervorgekramt. Im charakteristischen grünen Koffer befanden sich die Maschine, alle Anleitungen sowie ein Verkaufsprospekt.
Das erste Verkaufsargument lässt das Herz von Usability-Begeisterten höher schlagen:
«Bei der Konstruktion dieses neuen Modells haben wir uns in höchstem Masse zur Aufgabe gemacht:
Bernina muss noch einfacher zu bedienen sein.»
Dann soll sie auch noch die schönste Naht nähen, vollständig störungsfrei arbeiten, vielseitiger in der Anwendung und «jeder Näherin ein Leben lang das sein, was sie von ihrer Maschine erwartet». Was für ein Unterschied zur Zeix-Kaffeemaschine, die uns nach wochenlangem Reparatur-Prozedere gleich wieder im Stich gelassen hat. Die Nähmaschine aber, die hält noch immer, was sie versprach.
This year’s Information Architecture Summit, Euro IA 2011 (#euroia), took place in Prague. The conference helps to share experiences across national, cultural, and linguistic boundaries and encourages the practice of information architecture and related disciplines. Participants include information architects and user experience professionals, content owners, application developers, web masters and, last but not least, project and business managers participating to understand the benefits and challenges of information architecture in the digital information space. mehr »
Gestern fand der Networking-Event Landscape of User Experience in Switzerland in Zürich statt. Organisiert wurde er von der Uni Zürich und der Gruppe Software Ergonomics und diente dem Kennenlernen zwischen den akademischen und privatwirtschaftlichen UX Communities. mehr »
Kürzlich war ich einkaufen, diesmal nicht online (siehe Blogbeitrag vom 17.12.2010), sondern face to face – beim Metzger.
Dieser ist sogar so innovativ, dass ihm gerne diese Zeilen widme.
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Vor kurzem fand in den USA der (DER) IA Summit 2011 statt. (Anm. der Autorin: Die Amis halten es wie bei den URLs nicht für nötig, eine genauere geografische Bezeichnung anzugeben, wie es etwa die deutsche IA Konferenz immerhin im Untertitel tut – vermutlich, weil der Horizont der meisten spätestens beim Erreichen einer der beiden Küsten aufhört.)
Im Programm dominierte das Thema «ubiquitäre» bzw. «pervasive» Informationsarchitektur (beides heisst soviel wie allgegenwärtig). Bei der allgegenwärtigen Informationsarchitektur geht es darum, wie die User über verschiedene Kanäle und über unterschiedliche Geräte Informationen einholen und sie mit der realen Welt, sprich dem physischen Raum, verknüpfen. Zudem interagieren sie selbst mit ihrer Umgebung und speisen eigene Informationen via die verschiedenen Kanäle in die Informationsangebote ein. Hört sich etwas kompliziert an, obwohl es mittlerweile unser tägliches Brot ist. Siehe dazu Peter Morville, Ubiquitous IA, Samantha Starmer, Designing Cross-Channel Experiences, Justin Davis, Toilet Paper and Information Sharing: Designing Compelling Information Ecosystems oder Andrea Resminis Buch Pervasive Information Architecture. Designing Cross-Channel User Experiences.